Jakob Augstein im Gespräch mit Jörg Baberowski „Wer unbequeme Meinungen ausgrenzt, schadet der Demokratie“

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Jakob Augstein

Der Populismus sei ein legitimer „Schmerzensschrei, der nach Aufmerksamkeit verlangt“, heißt es in der Ankündigung zu Jörg Baberowskis aktuellem Buch Am Volk vorbei. Zur Krise der liberalen Demokratie: In letzterer fühlten sich viele Menschen heute weder gesehen noch vertreten. Der Historiker Baberowski setzt sich mit ihren Motiven auseinander und konstatiert keine Krise der Demokratie, sondern eine des Systems der liberalen Repräsentation.

Denn Demokratie sei keine Werteordnung, sondern ein Verfahren, um vor allem mittels Wahlen Konflikte zu bewältigen. Bei diesen Wahlen müsse jeder die Möglichkeit haben zu gewinnen, egal, wie er sich die Gesellschaft vorstellt. Parteiverboten erteilt Baberowski folglich ebenso eine Absage wie Gegenwartsdiagnosen, die heute von „Faschismus“ sprechen, und einer weiteren Europäisierung der Demokratie. Vielmehr müsse das Politische wieder an Orte zurückgebunden werden, an denen Menschen leben: Kommune, Bundesland oder Nationalstaat.

Darüber spricht Jörg Baberowski, seit 2002 Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin, mit Jakob Augstein.

(Am Volk vorbei. Zur Krise der liberalen Demokratie Jörg Baberowski C.H. Beck 2026, 208 Seiten, 25 €)

 

Jakob Augstein ist seit 2008 Verleger und Geschäftsführer der Wochenzeitung „der Freitag“. 1967 in Hamburg geboren, studierte er von 1989 bis 1993 Politik an der Freien Universität Berlin und am Institut d’études politiques de Paris. Er war zehn Jahre lang für die Süddeutsche Zeitung als Reporter in Berlin und Ostdeutschland unterwegs. Von 2011 bis 2018 schrieb er die Kolumne „Im Zweifel links“ auf „SPIEGEL ONLINE“. Von 2011 bis 2020 lieferte er sich mit Nikolaus Blome, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Bildzeitung, in der Phoenix-Sendung „Augstein und Blome“ einen wöchentlichen Schlagabtausch zum politischen Thema der Woche. Im März 2024 erschien sein Roman „Die Farbe des Feuers“ im Aufbau Verlag.

Der radioeins und Freitag Salon live aus dem Renaissance-Theater

Hier verstummt die Erregungsmaschine des Internets. Der radioeins & Freitag Salon ist „unplugged“, wie man früher gesagt hätte. Echte Menschen reden über echte Themen und üben sich in Fähigkeiten, die rar zu werden drohen: Zeit nehmen, zuhören, verstehen, lernen. Das – unerreichte – Vorbild dieses aktuellen politischen Diskussionsformats sind die legendären Gespräche des Journalisten Günter Gaus, die im Fernsehen gezeigt wurden, als dieses noch schwarz-weiß war.

Auch live auf radioeins zu hören – von 20.00 bis 21.00 Uhr.

Spieltermine

11.05.2026
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Gesprächs-Salon
Im Foyer
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