DIE SPIELZEIT 2015 / 2016

Die erste Premiere der Spielzeit 2015 / 2016 stand am 4. Oktober 2015 auf unserem Spielplan. Als Welturaufführung präsentierten wir ENTARTETE KUNST -  DER FALL CORNELIUS GURLITT, das neueste Stück des britischen Dramatikers Ronald Harwood, der u. a. mit Stücken wie „Der Garderobier“, „Kollaboration“ oder „Der Fall Furtwängler“ große Theatererfolge feierte und u. a. für das Drehbuch zu Roman Polanskis preisgekröntem Film „Der Pianist“ mit dem Academy Award, dem „Oscar“, ausgezeichnet worden ist. Harwood selbst, mittlerweile weit über achtzig Jahre alt,  ließ es sich nicht nehmen, zu diesem Ereignis persönlich in Berlin anwesend zu sein. Schließlich war für ihn die Uraufführung eines seiner Stücke in deutscher Sprache eine neue Erfahrung, die ihn sichtlich freute und uns mit Stolz erfüllte.

Die einzigartige Geschichte des Cornelius Gurlitt hält seit fast mehr als drei Jahren weltweit die kunstinteressierte Öffentlichkeit in Atem: 2010 fällt der seltsame Mann erstmals deutschen Zöllnern im Zug bei der Einreise aus der Schweiz auf. Die Beamten beschließen, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Bald entdecken sie weit über 1000 Gemälde und Bilder aller Epochen mit einem Schätzwert von mindestens einer Milliarde Euro in seiner Münchner Wohnung - möglicherweise „Raubkunst“? Gurlitts Vater Hildebrand handelte nämlich im Auftrag der Nazis mit Kunst und machte auch Geschäfte mit jüdischen Sammlern. War er damit für viele die letzte Hoffnung an Geld zu kommen oder bereicherte er sich an ihrer Not? Nach dem Tod des Vaters gingen die Werke in den Besitz seines Sohnes über. Wußte dieser von der Herkunft der Bilder? „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben“, sagte Cornelius Gurlitt in seinem einzigen Interview, kurz bevor er im Mai 2014 starb.

Unter der Regie von Torsten Fischer, in einer Ausstattung von  Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos spielten - seit langem einmal wieder in einer neuen Rolle - Udo Samel sowie Anika Mauer, Boric Aljinović und  Ralph Morgenstern.

Die Presseresonanz auf diese Premiere war gewaltig. Sie läßt sich gut und gerne mit europaweit bezeichnen. Hier einige Auszüge:

„Ein furioser Udo Samel als Gurlitt in Berlin.“Nada Weigelt, dpa

„Regisseur Torsten Fischer setzt das neue Stück von Ronald Harwood mit sicherer Hand in Szene.“Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel

„Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit ... Man weiß nicht recht, ob man diesen  Gurlitt verachten oder bemitleiden soll. Samel zeigt ihn als selbstgerechten  Geschichtsrevisionisten. Er zeigt ihn aber auch als alten Mann, dem vom Leben nichts  geblieben ist als geschönte Erinnerungen und seine Bilder - untrennbar verstrickt.“ Tatjana Kerschbaumer, Münchner Merkur

Sehr gefreut haben wir uns auch über eine Einladung der Produktion in das Theater Bern. Im Mai diesen Jahres unweit des Museums zu spielen, in dem der Gurlitt-Schatz bis zur erbrechtlichen Klärung gelagert ist, war schon etwas sehr Besonderes. Ein Gastspiel in Leverkusen im Januar 2017 wird folgen.

Mit einer europäischen Erstaufführung ging der Premierenreigen am 11. November 2015 weiter. HAUS AUF DEM LAND von Donald Margulies ist ein schillernd tragikomisches und psychologisch virtuos gearbeitetes Generationenstück. Eindringlich erzählt es die Geschichte von sechs Menschen, die irgendwie zusammengehören, aber keine Ahnung haben, wie sie das bewerkstelligen sollen. In der Spielzeit 2001 / 2002 feierte am Renaissance-Theater Berlin FREUNDE ZUM ESSEN von Donald Margulies seine deutschsprachige Erstaufführung. Nun folgte, ebenfalls in Gegenwart des Autors, mit HAUS AUF DEM LAND ein weiteres Werk des erfolgreichen amerikanischen Dramatikers und Pulitzer-Preis-Trägers.

Aber worum geht es? Ein Jahr nach dem Tod der Schauspielerin Kathy versammeln sich ihre Angehörigen in dem Landhaus der Familie: Mutter Anna ist selbst eine sehr erfolgreiche Grande Dame der Bühne. Bruder Elliot, als Künstler nie zu Ruhm gekommen, versucht sich nun als Theaterautor. Witwer Walter, ein einflußreicher Hollywood-Regisseur, ist jetzt mit der schönen, natürlich weit jüngeren, Schauspielerin Nell liiert. Und Kathys Tochter Susie, eine Studentin, will nicht viel von der familiären Erblast der Schauspielerei wissen  - und erst recht nichts von der neuen Freundin ihres Vaters Walter. Als Michael, ein alter Freund der Familie, für ein paar Tage zu Besuch kommt, steigt die Anspannung, denn der attraktive TV-Star zieht sofort das Interesse der Frauen auf sich. Unter der Oberfläche der familiären Gedenkfeier wird die Stimmung immer explosiver …

Unter der Regie von Guntbert Warns, in einer Bühne von Momme Röhrbein und Kostümen von Angelika Rieck spielten Michael Mendl (erstmalig an unserem Theater), Judy Winter, Heikko Deutschmann, Anika Mauer, Linn Reusse und Christian Schmidt.

Mit den Kritiken konnten wir zufrieden sein. Unser Ensemble wurde einhellig gefeiert. Nur dem Stück nahmen es die Rezensenten übel, daß es ein wenig vorgab von Tschechow zu sein, ohne seiner Feder zu entstammen. Hier Auszüge:

„Hervorragend gespielt, erstklassiges Ensemble.“ Georg Kasch, Berliner Morgenpost

„In der entspannten Regie von Guntbert Warns wird bei dieser europäischen Erstaufführung ein darstellerisch subtiles Beziehungsgeflecht deutlich, in dem es um vergebliches Werben und aufrichtige Zuneigung, heiteres Vertrauen und heimliches Begehren, Ängste, Hoffnungen, Glücksmomente geht - kurz und gut, um alles oder nichts, aber auf unterhaltsamen und packende Weise.“Irene Bazinger, Berliner Zeitung

„Glamour, Glanz und eine Prise Gloria“Imke Gerriets, B.Z.

Im Frühjahr 2017 wird die Produktion im Hamburger St. Pauli Theater zu sehen sein.

Ende Januar 2016 feierten wir die Premiere von Peter Hacks Bühnensolo EIN GESPRÄCH IM HAUSE STEIN ÜBER DEN ABWESENDEN HERRN VON GOETHE mit Anika Mauer als Frau von Stein.  

Die Handlung des Stückes ist schnell erzählt: Weimar, 1786: Heimlich über Nacht verläßt Johann Wolfgang von Goethe die Stadt und macht sich auf den Weg nach Italien. Charlotte von Stein, die zehn Jahre lang seine Vertraute und Geliebte war, muß sich nun zwischen ihren Gefühlen für den Dichter und ihren Verpflichtungen gegenüber ihrem Ehemann entscheiden. Die Wartezeit bis zum Eintreffen von Goethes vermeintlichem Heiratsantrag verkürzt sie, indem sie sich in Tiraden verletzter Liebe ergeht. Sie beschreibt ihn als eitlen Zeitgenossen, Hypochonder und Versager in der Liebe, dessen einzige Begabung darin besteht, seine Abenteuer literarisch auszubeuten.

Das ist die Grundlage für eines der weltweit meistgespielten Bühnenwerke des 20. Jahrhunderts. Einen der „faszinierendsten Monologe, der in deutscher Sprache nach 1945 geschrieben worden ist“, wie die Frankfurter Rundschau urteilte. Und selbst der 2013 verstorbene „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki hatte nichts zu meckern: Er nahm das Stück in seinen Kanon der 42 lesenswerten deutschsprachigen Dramen auf.

Die Regie besorgte die Enkelin von Bertolt Brecht, Johanna Schall, die erstmalig an unserem Theater arbeitete, die Bühne entwarf Horst Vogelgesang, die Kostüme kreierte Petra Kray.

Die Presse lobte Anika Mauer auf allerhöchstem Niveau:

„Anika Mauer zieht alle Register. Eine Glanzrolle für eine erste Schauspielerin. Ein Wunder ist es, wie ihre Charlotte von Stein das Publikum knapp zwei Stunden lang bannt.“Georg Kasch, Berliner Morgenpost

„Anika Mauer verwandelt sich perfekt in Charlotte von Stein.“ Ute Büsing, rbb Inforadio

„Das Stück von Peter Hacks, in dem eine einzige Schauspielerin fast zwei Stunden lang nur ein einziges Thema vor dem Publikum ausagiert, bringt die großartige Anika Mauer zum Leuchten, Funkeln, Strahlen und Glänzen! Und zwar souverän von der ersten bis zur letzten Sekunde. … Sie balanciert auf einem hohen Seil. Und mein Sitznachbar kommentiert beim Schlußapplaus: Besser hätte das Inge Keller auch nicht machen können.“ Uwe Schwentzig,  Junge Welt

Die nächste Premiere folgte am 23. April 2016 mit Carl Sternheims Klassiker DIE HOSE. Wie auch schon in vorangegangenen Spielzeiten z. B. mit Racines PHÄDRA oder Shakespeares WAS IHR WOLLT setzten wir diesmal nicht auf das französische oder englische, sondern auf einen Teil unseres deutschen dramatischen Erbes: die Komödie des Expressionismus schlechthin, skandalumwittert und die Doppelmoral einer Zeit anprangernd, die uns über das vergangene Jahrhundert hinweg, nach wie vor beschäftigt.

Der Kaiser zieht in einer Parade am Volk vorbei und Luise Maske, die junge Frau des Beamten Theobald Maske, verliert ohne jede Absicht in aller Öffentlichkeit ihre Unterhose. Zu Hause gibt es erst einmal Schläge vom Ehemann, aber schnell erweist sich das Malheur als gute Werbung für die Zimmer, die Theobald zwecks Gehaltsaufbesserung vermieten will. Gleich zwei Beobachter des Hosen-Falls stürmen auf ihn ein: Der wohlhabende Schriftsteller Scarron und der ärmliche Friseur Mandelstam mieten sich bei Maskes ein, um in der Nähe von Luise zu sein, aber auch die Nachbarin Gertrud Deuter ist nicht frei von Eigennutz. Theobald hingegen, allen an Kalkül und Raffiniertheit weit überlegen, zieht am Ende aus der heiklen Situation einen beachtlichen ökonomischen Gewinn und ermöglicht sich und Luise dadurch völlig neue Perspektiven …

DIE HOSE war das erste Stück von Carl Sternheim, das Max Reinhardt im Deutschen Theater spielte. Doch schon der Titel erregte Anstoß. Der Polizeipräsident von Berlin erließ „aus Gründen der Sittlichkeit“ ein Verbot und nur mit Hilfe eines Tricks konnte die Uraufführung 1911 stattfinden: Tilla Durieux, Schauspielerin und Frau von Sternheims Verleger Paul Cassirer, lenkte während der Generalprobe den Zensor bei den beanstandeten Stellen ab.

Regie führte Tina Engel, das Bühnenbild besorgte Momme Röhrbein und für die Kostüme zeichnete Eva Dessecker verantwortlich. Es spielten erstmals an unserem Theater Klaus Christian Schreiber, neben Christin Nichols, Boris Aljinović, Anika Mauer und Guntbert Warns.

Die Presse zeigte sich begeistert.

„Ein bestens aufgelegtes Ensemble, ein Theaterabend, der großen Spaß macht. Regisseurin Tina Engel hat die „Die Hose“ inszeniert, flott, mit gutem Gespür für die Pointen, ohne aufgepfropfte Aktualisierungen.“ Stefan Kirschner, Berliner Morgenpost

„Die fünf wunderbaren Darsteller liefern tolle Faxen ab, die famos stilisiert werden. Wenn sie durchdrehen, bewahren sie dabei immer die Form. Sie machen Spaß, ohne ins Schwitzen zu geraten und bringen uns ansatzlos zum Lachen, ohne sich anzubiedern.“ Irene Bazinger, Berliner Zeitung

„Hier triumphiert das, was vielerorts selten geworden ist, nämlich allein aus der Vorlage gewonnene fein funkelnde Virtuosität.“ Reinhard Wengierek

QUARTETTO - die letzte Premiere dieser Spielzeit 2015 / 2016 am 22. Juni 2016 liegt nun gerade eine Woche zurück. Erneut setzten wir auf ein Werk des britischen Dramatikers Ronald Harwood.

Für sie alle war die Musik der Sinn ihres Lebens, ihre Stimmen die einzigen Mittel, ihrer Seele Ausdruck zu verleihen. Sie waren Opernstars: begnadet, umworben und jeder auf seine Weise unberechenbar. Aber das ist lange her. Die Zeiten ändern sich, der Ruhm ist verweht. Nun verbringen Cecily Robson, Reginald Paget und Wilfred Bond ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz für betagte Künstler. Das Leben der Drei nimmt seinen soweit geregelten Lauf, bis die Ankunft einer „Neuen“ für Aufregung sorgt. Schnell stellt sich nämlich heraus, daß es sich ausgerechnet um Jean Horton handelt, eine ehemals besonders berühmte Sopranistin. Sie war einmal mit Reginald verheiratet, was das Zusammenleben und die Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit nicht unbedingt erleichtert.

Der Autor zeichnet seine Figuren mit viel Witz und großer Zärtlichkeit. QUARTETTO ist eine Hommage an die bezaubernde Wirkung der Kunst, die alles souverän überstrahlt.
Noch nie wurde das 1999 in London uraufgeführte Stück bislang mit wirklichen Sängern besetzt. Mit René Kollo, Karan Armstrong, Victor von Halem und Ute Walther stehen in unserer Produktion nun Stars der Opernwelt auf der Bühne, die Ronald Harwoods Figuren natürlich besonders gut nachempfinden. Die Regie führte Torsten Fischer, die musikalische Leitung hat Harry Ermer inne, die Ausstattung besorgten Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos.

Mit der Berichterstattung in der Presse können wir wirklich sehr zufrieden sein. Hier einige Auszüge:

„Karan Armstrong, Ute Walther, René Kollo und Victor von Halem geben der wehmütig-komischen Geschichte mit den Rückblicken auf einstige Bühnentriumphe und Jugendsünden im Gegensatz zur vorherrschenden Vergessenheit und dem mühseligen Prozeß des Alterns eine ergreifend authentische Dimension.“ Irene Bazinger, FAZ

„Das Opernwunder: Theater und Wirklichkeit untrennbar verbunden.“ Andreas Göbel, rbb kulturradio

„Ein voller Erfolg für „Quartetto“, dieses gelungene Schauspiel des Engländers Ronald Harwood... das Publikum rast. Denn diese Siebziger können es noch immer.“ Sabine Dultz, Münchner Merkur

„Das Theaterstück läßt den Zuschauer mit Rührung und Ehrfurcht gegenüber den Bühnenfiguren und denen, die sie verkörpern, zurück. Aber es darf auch gelacht werden.“ Ingrid Wanja, Der Opernfreund

„Bravo, das ist doch ein Coup! Ein Theaterstück, das in einem Altersheim für ehemalige Sänger spielt, tatsächlich mit ergrauten Diven und tapsigen Heldentenören zu besetzen. Und nicht irgendwelche.“ Ulrich Amling, Der Tagesspiegel

„Das Renaissance-Theater hat nun erstmal wirkliche Opernsänger verpflichtet - und was für welche! René Kollo, Karan Armstrong, Victor von Halem und Ute Walther auf einer kleinen Theaterbühne zu erleben, das ist schon eine mittlere Sensation. Wenn sie am Ende gemeinsam das Quartett aus Verdis RIGOLETTO anstimmen, dann jubelt das Publikum.“ Martina Helmig, Berliner Morgenpost

„Ein nostalgischer, liebenswerter Abend, von dem überwiegend selber weißhaarigen Publikum lautstark und warm gefeiert.“ Zenaida des Aubris, Opernnetz

Außer der Reihe konnten wir in Zusammenarbeit mit dem Theater Wahlverwandte am 13. Oktober 2015 eine weitere deutschlandweite Erstaufführung in unserem Hause präsentieren. HELENA. PLÄDOYER FÜR EINE SCHLAMPE von Miguel del Arco erzählt die sagenumwobene Geschichte von Helena von Troja. Miguel del Arco, 1965 in Madrid geboren, gehört zu den produktivsten und erfolgreichsten Theatermachern Spaniens. Nach grandiosen Erfolgen in seinem Heimatland kam sein furioser Monolog nun endlich auch - in einer ganz besonderen Besetzung - nach Deutschland: Georgette Dee spielte Helena:

Als Star verehrt wie vermarktet, als gefallene Diva gebannt im Bild, das die öffentliche Meinung von ihr zeichnet. Mit Witz und Ironie entlarvt Helena die Mechanismen Ruhmhungriger und Geldgieriger. Die Geschichte teilt die Beteiligten auf in tragische Helden, treue Frauen und eine Schuldige: Die Schöne, die Schlampe. Die schönste Frau der Welt zu sein ist wirklich kein Spaß. Die schönste Frau der Welt gewesen zu sein ist schlichtweg eine Katastrophe und jetzt redet sie. Als sie jung war, war sie Spielball der Männer, die sie umschwirrten. Jetzt darf die Göttliche nicht sterben und lebt ewig auf der Hinterbühne des Welttheaters. Sie ist einsam, unsterblich einsam. Sie verließ ihren Mann und folgte Paris, ihrer großen Liebe. Doch ein Mythos darf nicht lieben.

Regie führte Elias Perrig. Für die Ausstattung war Merit Fakler verantwortlich. Die Musik schrieb Georgette Dees langjähriger Wegbegleiter Terry Truck.

Der Presse gefiel der Abend: 

„Die Dee als antik-moderne Dee-Darstellerin, die die Mythologie demontiert - das hat Witz und Tiefe“ zitty

„Georgette Dee kämpft als Helena von Troja furios gegen Krieg und Gewalt“ Die Welt

"Die Dee wäre nicht die Dee, wenn sie sich die Helena nicht völlig anverwandelt hätte - ein großer Abend!“ Berliner Morgenpost

„Georgette Dees Helena ist verdammt heutig. Eine verzickte Untote, eine Sängerin, die dem Sexsymbol und Superstar-Dasein nachtrauert.“rbb Inforadio

Nach der Premiere gastierte die Produktion in ganz Deutschland und wird auch weiterhin an unserem Theater zu sehen sein.

Einmalig in dieser Spielzeit auf unserem Programm: Unter dem Titel WELTKLASSE AUF SECHS SAITEN fand am 13. November 2015 das Eröffnungskonzert des VI. Festivals der International Guitar Academy Berlin in unserem Theater statt. Wie auch schon in dem Jahr davor war die absolute Weltelite des Gitarrenspiels zu Gast – diesmal Aniello Desiderio.

Mit großem Erfolg war auch das beliebte Lese-Duo Hans-Jürgen Schatz und Horst Pillau mit WIR LERNEN IHNEN DEUTSCH, MIT UNS FLIEGEN SIE RICHTIG und WEIHNACHTEN KANN AUCH GUT GEHEN! - wieder auf der Bühne im Großen Haus vertreten.

Dem „Repertoire-Gedanken“ folgend setzten wir auch im Verlauf der Spielzeit 2015 / 2016 auf bereits im Spielplan etablierte Wiederaufnahmen. In kürzeren, unter Umständen aber regelmäßigen, Serien waren so DER NACKTE WAHNSINN und HELLO, I’M JOHNNY CASH, EWIG JUNG, MARLENE, UNWIDERSTEHLICH und, ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL, sowie WIR LIEBEN UND WISSEN NICHTS und DER LETZTE VORHANG zu sehen. Und natürlich, nicht zu vergessen: „KUNST“. Die Produktion feierte am 8. November 2015 ihr 20-jähriges Bestehen.

Als Gastspiel konnte sich unser Publikum erneut im Januar 2016 über ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN vom St. Pauli Theater in Hamburg mit u. a. Angela Winkler, Eva Mattes und Christian Redl freuen.

Aber nun zu unseren „kleineren“ Unternehmungen: Neben den Eigenproduktionen und Gastspielen wurden auch unsere literarischen Abende unter dem Titel LITERARISCHE STREIFZÜGE weiter gut gepflegt. So präsentierten Dominique Horwitz, Jorge Bucay, Rafik Schami, Peter Hoeg, Michael Tsokos, Neil MacGregor und Gudrun Gloth ihre Buch-Neuerscheinungen in unserem Theater.

Auch auf unserer kleinen Bühne im Bruckner-Foyer wurde die gesamte Spielzeit über mit schöner Regelmäßigkeit Theater gespielt. Dieser kleine Parallel-Spielplan wird mit seinem so vielschichtigen Angebot nach wie vor von den Liebhabern der kleinen literarischen Form bei Rotwein und Kerzenlicht ungemein geschätzt.  

Neben den „Klassikern“, wie z. B. dem Mascha Kaléko-Abend DU HÖRTEST MEIN GRAS WACHSEN, dem Chansonmusical DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN von Carsten Golbeck und Rainer Bielfeldt mit Antonia Bill, Denis Diderots RAMEAUS NEFFE in der Übersetzung von Johann Wolfgang Goethe, Hans Diehls wunderbaren Ringelnatz-Abend UND AUF EINMAL STEHT ES NEBEN DIR, Hans-Jürgen Schatz’ Dauerbrenner MEINE SORGEN MÖCHT’ ICH HABEN mit Texten von Kurt Tucholsky oder E.T.A. Hoffmanns NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG, feierten wir auch Premieren im herrlichen Ambiente des Bruckner-Foyers:

An erster Stelle zwei Uraufführungen, eigens für das Bruckner-Foyer geschrieben: Über eine musikalische Odyssee von Chicago bis nach Berlin erzählt der Abend MORDS-SCHWESTERN von Nadine Schori, der am 18. September 2015 seine Premiere feierte. „Willkommen in den goldenen 20er Jahren!“ könnte die Headline für die Geschichte zweier naiver Frauen sein, die es eigentlich mit allem und jedem nur gut meinen, aber mit einem intuitiven Killerinstinkt alles - vor allem Männer - aus dem Weg räumen, das sie auf ihrer Reise stört. Es spielen Christin Nichols und Nadine Schori, am Klavier begleitet von Arnel Cosca. Ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung von Nadine Schori folgte am 14. Januar 2016 SCHLAFLOS IN BERLIN von Adelheid Kleineidam, Nadine Schori und Katharina Zapatka. Mit zahlreichen musikalischen Nummern und Zitaten gespickt, spielt das Stück im Theatermilieu. Auf der Bühne werden gerade Schillers „Die Räuber“ gegeben - doch das wahre Drama findet in der Garderobe statt. Die ausverkaufte Vorstellung am nächsten Tag droht auszufallen, und die Schauspielerinnen Elin, Paula und Susi sollen das Theater innerhalb von 24 Stunden retten. Der Anruf des Intendanten „macht mir was Schönes über Berlin“ erleichtert die Aufgabe keineswegs. Das Stöbern in Texten und Liedern wird zum Wettstreit mit der Zeit, der laufenden Vorstellung und den unterschiedlichen Interessen der drei Akteurinnen. Erschwerend kommt hinzu, daß die eine Liebeskummer hat, die andere säuft und die dritte sich keinen Text merken kann. Es geht zunächst also alles schief in diesem wilden Abend voller Geschichten, Witz und Leben aus und über Berlin, gespielt von den drei Autorinnen, am Klavier begleitet von Arnel Cosca.

Und es gab weitere Premieren: In seiner Lesung MAN HAT ES ODER HAT ES NICHT erinnerte der Schauspieler Jürgen Thormann am 27. September 2015 an den großen Literaten Theodor Fontane. WENN ICH SO SCHRIEBE ALS SCHWÄTZTE, SO SOLLTET IHR WUNDER HÖREN, eine kommentierte Lesung aus den Briefen der Catharina Elisabeth Goethe, Goethes Mutter, rezitiert von Katharina Giesbertz, fand am 31. Oktober 2015 einmalig im Bruckner-Foyer statt. Es folgte am 16. November 2015 unter dem Titel EINE SCHRECKLICHE NACHT ein bislang mehrfach wiederholter Abend mit Texten von Anton Tschechow, gelesen von David Bennent und am 19. Dezember 2015 unter den Titel WEIHNACHTSREISE, ein Liederabend mit Weihnachtsliedern aus aller Welt, vorgetragen von Matthias Freihof, mit Stefan Kling am Klavier.

Ungebrochen ist die Beliebtheit unserer Curt-Goetz-Matinee, sonntags um 11.30 Uhr. Im November 2013 starteten wir anläßlich seines 125. Geburtstages gemeinsam mit der Berliner Curt-Goetz-Gesellschaft die Reihe und präsentieren in regelmäßigen Abständen das Werk von Curt Goetz als Lesung. Der Erfolg zeigt, daß Curt Goetz, dieser fast vergessene Meister des feinen Humors, der unserem Theater so nahe stand, doch noch nicht ganz aus dem Gedächtnis der Berliner getilgt ist.

In der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit 2015/ 2016 war das Renaissance-Theater auch außerhalb Berlins wieder umfangreich präsent. Neben UNWIDERSTEHLICH, ROT und DER LETZTE VORHANG waren wir auch mit VENUS IM PELZ und ENTARTETE KUNST – DER FALL CORNELIUS GURLITT  unterwegs. Mit unserer Musical-Produktion FAST NORMAL werden wir vom 13. bis 23. Juli 2016 im Deutschen Theater in München gastieren.

Auch auf Theater-Preis-Träger können wir in der Spielzeit 2015 / 2016 wieder stolz sein: Der vom Berliner Theaterclub vergebene Publikumspreis „Goldener Vorhang“ wurde Anfang Dezember 2015 im Rahmen einer Gala-Veranstaltung im Renaissance-Theater  an Katharine Mehrling und Boris Aljinović übergeben. Katharine Mehrling erhielt die Auszeichnung u. a. für ihre ergreifende Darstellung der unter einer bipolaren Störung leidenden Dina Goodman im Musical FAST NORMAL. Boris Aljinović wurde für seine Arbeit in UNWIDERSTEHLICH als „Beliebtester Schauspieler“ ausgezeichnet. Unser Intendant Horst-H. Filohn erhielt vom Theaterclubchef Otfried Laur die goldene Iffland-Medaille für seine Verdienste um das Renaissance-Theater.

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