DIE SPIELZEIT 2014 / 2015

Die erste Premiere der neuen Spielzeit 2014 / 2015 stand am 5. Oktober 2014 auf unserem Spielplan. Die Vorzüge und Nachteile schußsicherer BHs? Wer hat in seinem Leben darüber noch nicht nachgedacht? Einerseits machen sie fett, andererseits können sie einem das Leben retten. Die Entscheidung dafür oder dagegen spielte im Leben der drei Protagonistinnen - Margot, Imelda und Leila - in Theresia Walsers neuer Komödie ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL naturgemäß eine gewisse Rolle ...

Waren es in ihrem letzten Stück EIN BISSCHEN RUHE VOR DEM STURM drei Schauspieler, die erzählen, wie es war, Hitler bzw. Goebbels darzustellen, sind es nun drei einstige Politikerinnen, deren Ähnlichkeiten mit Margot Honecker, Imelda Marcos und Leila Ben Ali weder zufällig noch unbeabsichtigt sind: Die drei Diktatorengattinnen haben sich zu einer Pressekonferenz versammelt. Anlaß ist die geplante Verfilmung ihres Lebens. Dabei sind die drei Damen längst nicht mehr im Amt. Die Männer von Frau Margot und Frau Imelda sind verstorben und der von Frau Leila steht vor Gericht. Als handele es sich um die netten Leute von nebenan, plaudern sie zunächst über Partys bei Stalin, Handküsse von Mao, über Schuhe und Geschenke, die Castro ihnen überreichte. Selbst Mordanschläge oder Aufstände werden nonchalant wie notwendige Übel abgehandelt. Obwohl die Zeitläufe eine deutlich andere Sprache sprechen, weigern sich die drei, ihre Uhren umzustellen, und befinden unisono, daß ihre Biographien viel zu überwältigend seien, um in einen banalen Film zu passen; allein die Oper könnte das angemessene Medium sein ... Redlich versucht ein Dolmetscher, zwischen den Frauen in diesem höchst amüsanten Zickenkrieg zu vermitteln und befördert wider Willen einen Wettstreit des Monströsen, in dem schon kleinste Mißverständnisse fatale politische Verwerfungen auslösen.

Unter der Regie von Tina Engel, in einer Bühne von Momme Röhrbein und Kostümen von Jorge Jara spielten an unserem Theater Corinna Kirchhoff (Frau Margot), Imogen Kogge (Frau Imelda), Judith Rosmair (Frau Laila) und Boris Aljinović (Dolmetscher Gottfried). 

Die Berichterstattung der Presse über unsere Aufführung war sehr positiv:

"Eine verrückte Komödie; ein großer Schauspieler-Spaß; zum Schreien komisch".
rbb Kulturradio

"... mit dem formidablen Ensemble ein virtuoser Boulevardspaß ..."
FAZ

"... ein äußerst souveräner Nachschlag zum Thema Diktatoren-Schauspieler, in dem Lachen und Erschrecken dicht beieinander liegen."
Berliner Morgenpost
"... Theresia Walser hat diese Quelle für das gehobene Boulevardtheater erschlossen ... der Saal im Renaissance-Theater lacht und quietscht."
Berliner Zeitung

Am 21. März 2015 folgte unsere nächste Premiere. Unter der Regie von Antoine Uitdehaag, in einer Bühne von Momme Röhrbein und Kostümen von Erika Landertinger kam mit Fabrice Roger-Lacans UNWIDERSTEHLICH einer der brillantest gebauten Theatertexte des Gegenwartstheaters mit Anika Mauer und Boris Aljinović an unserem Theater zur Aufführung.

Aber worum geht es im Stück? „Er“ ist Jurist, „sie“ ist Verlagslektorin. Eines Abends, als sie von einer Besprechung mit einem berühmten Schriftsteller, dessen Werk sie schon lange bewundert und der im Ruf eines unverbesserlichen Don Juan steht, zurückkommt, versucht er hartnäckig und unnachgiebig von ihr zu erfahren, ob dieser „unwiderstehliche“ Mann in ihr ein „unwiderstehliches“ Verlangen ausgelöst habe…

Fabrice Roger-Lacan stellt die Liebe eines Paares auf den Prüfstand, die er unbarmherzig und mit diabolischer Dialektik seziert und in die Beinahe-Katastrophe führt. UNWIDER-STEHLICH ist ein fesselndes Psychogramm einer Liebesbeziehung, ein Text über Eifersucht, Besitzanspruch, über Verlangen und über Freiheit. Über diese Freiheit sagt der Autor: „Die Freiheit ist etwas Wunderbares und zugleich etwas Furchtbares“… Es heißt ja, die Eifersucht sei eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Und so zeichnet UNWIDERSTEHLICH verspielt, augenzwinkernd und doch glasklar nach, wie die Eifersucht ein eigentlich perfektes Paar packt und schrittchenweise an den Abgrund führt. Er liebt sie, sie liebt ihn, beide gehören zusammen. Aber so einfach ist das nicht.

Das erste Stück von Fabrice Roger-Lacan, DER KRAWATTENKLUB, feierte in der Spielzeit 2005 / 2006 am Renaissance-Theater Berlin seine Premiere. Nun folgt mit UNWIDERSTEHLICH das zweite Bühnenwerk des erfolgreichen französischen Drehbuchautors und Dramatikers. Damals wie heute war sich die Kritik einig. Stück, Regie und Darsteller erfuhren ausgesprochen positive Resonanz: 

„Pfiffige Dialoge und viel Witz. ... Die Inszenierung läßt den Lebensabschnittsgefährten - Anika Mauer und Boris Aljinović mit rhetorischer Bravour und heller Spielfreude - genügend Platz und Muße ihre Positionen darzulegen. Daß dabei auch irritierend schön zu beobachten ist, wie sie den Boden unter den Füßen verlieren, gibt der amüsant-gescheiten Aufführung ihren spannungsvollen Reiz.“ Berliner Zeitung

„Regisseur Antoine Uitdehaag inszeniert mit feinem Sinn für die Untertöne und Fallstricke des Dialogs ... Anika Mauer und Boris Aljinović hebeln jedes drohende Beziehungsklischee souverän aus. Beide hat man schon oft am Renaissance-Theater gesehen, aber so gut noch nie.“ Der Tagesspiegel


„Wie sich Anika Mauer und Boris Aljinović die Argumente um die Ohren pfeffern, das hat die Klasse eines Psychoduells. Da ist Hitchcock drin, oder Beziehungshöllisches, wie man es von Yasmina Reza kennt. „ Berliner Morgenpost

„Eine tolle Darstellung des Zwei-Mann-Ensembles Aljinović-Mauer. Was die beiden auf der Bühne vollbringen, ist grandios. Der anschließende Beifallssturm mehr als verdient.“ B.Z..

Es folgte als dritte Eigenproduktion in dieser Spielzeit am 13. Juni 2014 das Musical FAST NORMAL – NEXT TO NORMAL von Tom Kitt und Brian Yorkey. FAST NORMAL ist ein Musical, welches aus dem Rahmen fällt: Daß etwas bei der  Familie Goodman nicht ganz stimmt, ist schnell klar. Was hier aber eben nur „fast normal“ ist, zeigt ihre Geschichte: Dan, der Ehemann, geht ganz normal täglich zur Arbeit. Diana, seine Frau, aber wacht immer schon morgens um vier Uhr auf. Natalie, die Tochter, schläft ebenfalls schlecht, ist aber musikalisch hoch begabt. Und Gabe, der Sohn, benimmt sich so schlecht, wie Halbstarke das eben zu tun pflegen. Eigentlich geschieht nichts Außergewöhnliches, aber die ganze Familie scheint unter Hochdruck zu stehen - wie ein Dampfkessel, der ganz bestimmt gleich in die Luft gehen wird …

FAST NORMAL gewann drei Tony Awards, den begehrtesten Theater-Preis der Welt, sowie den Pulitzer-Preis für Drama - eine Auszeichnung, die äußerst selten an ein Musical vergeben wird.

Unter der Regie von Torsten Fischer, in einer Ausstattung von  Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos und der musikalische Leitung von Harry Ermer spielten und sangen Katharine Mehrling, Guntbert Warns, Felix Martin / Matthias Freihof. Die Rollen der Jugendlichen im Stück wurden mit Studenten des Studiengangs Musical / Show an der UdK Berlin besetzt: Devi-Ananda Dahm, Sophia Euskirchen, Dennis Hupka, Anthony Curtis Kirby, Jan-Philipp Rekeszus. Die Band bestand, bewährt wie auch schon in unseren anderen „musikalischen Unternehmungen“, aus Johannes Gehlmann, Stephan Genze, Hans-Dieter Lorenz, Johannes Severin und Harry Ermer.   

Die Morgenpost bescheinigt dem Ensemble um Katharine Mehrling „alles solide gespielt und gesungen“ und Patrick Wildermann lobt in der print-Ausgabe des Tagesspiegels Katharine Mehrling und meint, daß sie als „Diana die Ausschläge zwischen Euphorie und Depression zusammenhält und dadurch die emotionalen Andockmomente schafft, was bis zum Ende funktioniert“.

Erstaunlich ist auch, daß in den modernen Medien wie facebook, Twitter und Instagramm die Produktion durchweg begeistert aufgenommen wurde. So kann man dort z. B. lesen: 

„Es war grandios! Hatte nicht viel von diesem Stück erwartet und war zu Tränen gerührt! Die Darsteller/Sänger + Musiker sind sowieso Klasse... „

„Die Geschichte ging von Beginn an sehr unter die Haut. Großes Lob in alle Richtungen, Darsteller, Musik, Bühne, Inszenierung.“

„superhammer show. ein fesselndes stück mit einem sehr sehr nachdenklich machendem thema.“

Auch auf zwei Gastspielpremieren können wir in der abgelaufenen Spielzeit 2014 / 2015 zurückblicken. DER GHETTO SWINGER – AUS DEM LEBEN DES JAZZMUSIKERS COCO SCHUMANN von Kai Ivo Baulitz, in der Fassung mit Musik von Gil Mehmert, eine Produktion der Hamburger Kammerspiele, feierte am  29. Oktober 2014 seine Berliner Premiere an unserem Theater.

Die Geschichte um Coco Schumann nimmt uns mit auf eine Reise in das Berlin der 30er Jahre. In den Kneipen wird Swing und Jazz gespielt und der junge Coco, Sohn einer jüdischen Mutter, ist fasziniert von der Musik. Schon früh gerät er in die Szene der verbotenen „Swing-Kids“, Jugendliche, die den Jazz als anarchische Ausdrucksform gegen die Unkultur der Nazis stellten. Und plötzlich befindet Coco sich in Theresienstadt wieder. Dort wird er Mitglied der „Ghetto-Swingers“. In Auschwitz spielt er zur Unterhaltung der Lagerältesten und SS um sein Leben, in Dachau begleitet er mit letzter Kraft den Abgesang auf das Regime. Ein perfides Spiel, denn auf einmal wird die Musik, für ihn die Möglichkeit, das Konzentrationslager zu überleben. Chupze, Glück, Zufälle, die Musik oder ein Schutzengel? Vielleicht hatte Coco Schumann von allem etwas. Als er zum Kriegsende wieder in Berlin landet, steht er plötzlich in einem improvisierten Lokal im Kreis der alten Kollegen, die längst wieder spielen, und er nimmt ein Instrument und beginnt ebenfalls zu spielen…

Eine Besonderheit in Gil Mehmerts Arbeit ist die musikalisch-choreographische Erzählweise, für die er bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Schon lange faszinierte ihn die Autobiographie Coco Schumanns und er hat eine theatrale Umsetzung dafür gefunden. Mit seinem hochmusikalischen Ensemble Helen Schneider, Konstantin Moreth, Robin Brosch / Peter Imig, Christoph Tomanek, Christoph Kähler, Karsten Schnack und Jonathan Wolters, unterstützt von seiner Bühnen- und Kostümbildnerin Beatrice vom Bomhard, hat er sich auf eine musikalische, emotionale und historische Reise begeben.

Die Presse reagierte positiv: „Jubel um die schaurig schöne Revue DER GHETTO SWINGER“ war in der Welt zu lesen.„DER GHETTO SWINGER ist ein Stück, das mehr als berührend ist. Aber nie rührselig“, bescheinigte das Hamburger Abendblatt. Und unser Publikum war zu Tränen gerührt, als sich zum Schlußapplaus am Premierenabend der 90-jährige Coco Schumann von seinem Platz erhob, an die Bühnenkante trat, um den Darstellern zu gratulieren – sicher ein Moment, den die Anwesenden ihr Leben lang nicht vergessen werden.   

Als Koproduktion des St. Pauli Theaters Hamburg mit dem Renaissance-Theater Berlin hatte am 10. Februar 2015 das Stück WAISEN von Dennis Kelly in unserem Haus Premiere. Unter der Regie und in einer Bühne von Altmeister Wilfried Minks sowie Kostümen von Nini von Selzam spielten Judith Rosmair und Johann von Bülow Helen und Danny, deren romantisches Abendessen jäh unterbrochen wird, als Helens Bruder Liam - gespielt von Uwe Bohm -  blutüberströmt ins Zimmer platzt. Nicht sein Blut, sagt er. Auf der Straße sei ein Junge niedergestochen worden, er habe ihm bloß geholfen. Danny will die Polizei rufen. Helen hindert ihn daran. Schließlich ist Liam vorbestraft, da ist es besser, keine Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Danny läßt sich überreden, seinen Schwager zu schützen und ahnt nicht, in welch fatales Geflecht aus Halbwahrheiten, Lügen und Liebe er sich damit verstrickt. Liam beginnt, sich zu widersprechen. Mehr und mehr entpuppt sich der angebliche Helfer selbst als Täter. Dennoch bleibt er Helens einziger Bruder, für den sie sich verantwortlich fühlt, seit ihre Eltern starben – jedenfalls weit mehr als für einen Wildfremden draußen, wahrscheinlich Araber, „irgend so einen … Typ, den wir gar nicht kennen“. Und auch von Danny verlangt sie, für seine Familie einzustehen, über alle Prinzipien von Recht und Gesetz hinaus.

Die Berichterstattung in der Presse in Hamburg wie Berlin war glänzend:

„Alle vier Akte spielen in der engen Souterrain-Wohnung von Helen und Danny - mehr Kulisse hat das Darsteller-Stück aber auch nicht nötig. Das spärliche Bühnenbild erinnert daran, daß ein gelungener Theaterabend vor allem eins braucht: gute Schauspieler. Davon gibt es bei den WAISEN gleich drei. Den donnernden Applaus haben sich Rosmair, von Bülow und der grandiose Bohm wahrlich verdient.“ B.Z.

„Rosmair, Bohm und von Bülow glänzen darin zu zeigen, wie die Gewaltbereitschaft der Figuren aus ihren nicht verheilten psychischen Wunden erwächst.“ Hamburger Morgenpost
„Das ist ganz großes Theater!“BILD

„Drei starke Schauspieler streiten am St. Pauli Theater. Wilfried Minks inszeniert sehenswerte „Waisen“.Die Welt

Und auch das Publikum quittierte diesen Theaterabend, der für schwache Nerven wahrlich nicht geeignet war, mit großem Zuspruch.

Dem „Repertoire-Gedanken“ folgend setzten wir auch im Verlauf der Spielzeit 2014 / 2015 auf bereits im Spielplan etablierte Wiederaufnahmen. In kürzeren, unter Umständen aber regelmäßigen, Serien waren so DER NACKTE WAHNSINN und HELLO, I’M JOHNNY CASH, EWIG JUNG, WIR LIEBEN UND WISSEN NICHTS, DER VORNAME oder ICH WEISS NICHT, ZU WEM ICH GEHÖRE sowie DER LETZTE VORHANG zu sehen. Und natürlich „KUNST“. Kaum zu glauben, daß die Produktion in dieser Spielzeit, am 11. Januar 2015, ihre 400. Vorstellung feiern konnte.

Zum Jahreswechsel 2014 / 2015 war es endlich soweit: Judy Winter stand nach vielen Jahren Pause wieder als MARLENE auf der Bühne und das Publikum dankte es ihr mit vollem Haus und Standing Ovations.

Erneut konnte sich unser Publikum im Januar 2015 über drei Vorstellungen von Joseph Kesselrings Komödienklassiker des schwarzen Humors ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN vom St. Pauli Theater in Hamburg mit u. a. Angela Winkler, Eva Mattes und Christian Redl freuen.

Bedingt durch die zahlreichen krankheitsbedingten Vorstellungsänderungen und -ausfälle im Frühjahr 2015 feierten wir am 5. Februar 2015, im Rahmen unserer Reihe „Der besondere Abend“, die Premiere der szenischen Lesung DREI FRAUEN AUS DEUTSCHLAND mit Gesine Cukrowski, Imogen Kogge und Anika Mauer. Relativ kurzfristig konnten wir diesen interessanten Abend einladen.

In den Geschichtsbüchern wird Geschichte fast nur von Männern geschrieben. Frauen kommen dort nur als Randfiguren vor. In DREI FRAUEN AUS DEUTSCHLAND sieht das anders aus: Geschichte wird hier über die Biografien von drei spannenden Frauen erzählt: Bettina von Arnim, Else Lasker-Schüler und Erika Mann. Schriftstellerinnen, die ihre Zeit mit wachen Augen beobachtet und mit gestaltet haben. Leidenschaftlich gelebte Leben, ineinander verwoben, Amüsantes und Berührendes, Gegensätze und Parallelen beschreiben diese stille, fesselnde literarische Revue.

Einmalig in dieser Spielzeit auf unserem Programm: Unter dem Titel WELTKLASSE AUF SECHS SAITEN fand in Zusammenarbeit mit der Leo Kerstenberg Musikschule Berlin am 7. November 2014 erstmalig das Eröffnungskonzert des V. Festivals der International Guitar Academy Berlin in unserem Theater statt. Zu Gast war die absolute Weltelite des Gitarrenspiels, der Solist Alvaro Pierri mit Gitarrenensembles der International Guitar Academy Berlin und der Hochschule für Musik und Theater Rostock .

Mit großem Erfolg war das beliebte Lese-Duo Hans-Jürgen Schatz und Horst Pillau mit WIR LERNEN IHNEN DEUTSCH und WEIHNACHTEN KANN AUCH GUT GEHEN! wieder auf der Bühne im Großen Haus vertreten. Auch der Entertainer Robert Kreis war mit seinen MANCHE MÖGENS KREIS weiterhin auf dem Spielplan präsent.

Aber nun zu unseren „kleineren“ Unternehmungen: Neben den Eigenproduktionen und Gastspielen wurden auch unsere literarischen Abende unter dem Titel LITERARISCHE STREIFZÜGE weiter gut und erfolgreich gepflegt. So präsentierten Iris Berben, Gerald Hüther, Léa Linster und Horst Pillau ihre Buch-Neuerscheinungen in unserem Theater.

Auch auf unserer kleinen Bühne im Bruckner-Foyer wurde die gesamte Spielzeit über mit schöner Regelmäßigkeit Theater gespielt. Dieser kleine Parallel-Spielplan wird mit seinem so vielschichtigen Angebot nach wie vor von den Liebhabern der kleinen literarischen Form bei Rotwein und Kerzenlicht ungemein geschätzt.  

Neben den „Klassikern“, dem Mascha Kaléko-Abend DU HÖRTEST MEIN GRAS WACHSEN und dem Heinrich-Heine-Abend BISSIGER HUMOR ZWISCHEN LIEBE UND ZORN erweiterten wir das Programm um zahlreich Preziosen und feierten sogar auch eine Uraufführung im herrlichen Ambiente des Bruckner-Foyers:

Als Vorreiterin der modernen Frauenliteratur, stehend für die Neue Sachlichkeit, schrieb Irmgard Keun 1932 ihren Roman DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN. Zahlreiche Bühnenadaptionen hat das Material bereits erfahren. Nun haben es sich der Autor Carsten Golbeck und der Komponist Rainer Bielfeldt erneut vorgenommen und sie erzählen das Werk neu, ohne etwas hinzuzufügen - außer natürlich den Liedern, die aus Textpassagen des Buches heraus entwickelt sind. Musikalisch wie inhaltlich schlägt diese Fassung den Bogen zwischen den Zwanzigern und heute. Sowohl die neue Fassung wie auch die Inszenierung durch Carsten Golbeck setzen auf die Aktualität des Stoffes: im Mittelpunkt steht die ungebremste Lebenslust und Kreativität eines jungen Menschen, der an der Armut und den lebensfeindlichen Umständen nach und nach zerbricht. Am Klavier begleitet der Komponist Rainer Bielfeldt die junge Schauspielerin Antonia Bill, eine der Protagonistinnen am Berliner Ensemble.

Im Ossietzky schreibt Günther Hayn über den Abend: „ … Golbeck und Bielfeldt gehen das Wagnis ein, aus den Textvorgaben der Keun scheinbar bruchlos ihre Chansons zu entwickeln. Und die bilden eine Brücke in das Heutige: „Ich wurde ein lachendes Weinen“, das „Chanson von den Kursen“. Das funktioniert wider Erwarten und wirkt mitnichten aufgesetzt. So wie der Keunsche Text auch: „Es ist furchtbar billig zu leben, wenn man reich ist.“ Aber Doris ist nicht reich, sie ist ein armes Luder und geht „mit Männern, um zu überleben“. Und das alles hat eine Grundierung, die so bösartig ist wie die Geschichte des Franz Biberkopf in „Berlin Alexanderplatz“. Es ist dieselbe Zeit, es ist dieselbe Gegend. Die Gegend ist geblieben, die Zeit erfuhr ein böses Wiedererwachen. Antonia Bill gibt die Doris mit all der Naivität und Skrupellosigkeit, die in dieser Figur angelegt ist. Diese Person kann abgrundtief böse sein – und wenige Momente später unser Herz zu Tränen rühren! Die Bill ist eine kongeniale Doris. Den Namen wird man sich merken müssen.“

Die Uraufführung des Werkes fand am 9. Dezember 2014 im Bruckner-Foyer statt.

Und es gab noch weitere literarische Programme: Er gilt als einer der Urväter des Comics. Wilhelm Busch packte satirische Geschichten in Bildergeschichten, schrieb Weltbestseller wie „Max und Moritz“ und formulierte bitterböse Texte über „Die Fromme Helene“. Unter dem Titel IST DER RUF ERST RUINIERT … erinnerte Jürgen Thormann an den Autor. Die Schauspielerin Anna Böttcher und die Musikerin Maja von Kriegstein haben sich mit dem Regisseur Boris von Poser und dem Maler Andreas Gehlhaar auf eine Reise in den Roman DAS HÖRROHR von der surrealistischen Malerin und Schriftstellerin Leonora Carrington begeben. DENN ES GEHT EIN NEUES LEBEN AN … , so faßt Johann Wolfgang von Goethe die überwältigenden Eindrücke zusammen, die er beim ersten Rom-Aufenthalt in seinem Tagebuch „Italienische Reise“ festhält. Für Christian Schmidt ist dieses Zitat der Titel seines Rezitationsabends begleitet von Iris Pakusch (Sopran) und Ulrich Pakusch am Klavier. Auch Hans-Jürgen Schatz ist natürlich wieder mit von der Partie: Er liest E.T.A. Hoffmanns NUSSKNACKER UND MAUSEKÖNIG am Klavier unterstützt von Holger Groschopp und MEINE SORGEN MÖCHTE’ ICH HABEN - Texte von Kurt Tucholsky anläßlich dessen 125. Geburtstags. Es folgt Mathias Mertens mit REINEKE FUCHS von Johann Wolfgang von Goethe. - Alles in allem ein wirklich spannend, bunt gemischtes Programm.

Nach wie vor ungebrochen ist die Beliebtheit unserer Curt-Goetz-Matinee, sonntags um 11.30 Uhr. Im November 2013 starteten wir anläßlich seines 125. Geburtstages gemeinsam mit der Berliner Curt-Goetz-Gesellschaft die Reihe und präsentieren in regelmäßigen Abständen das Werk von Curt Goetz als Lesung. Der Erfolg zeigt, daß Curt Goetz, dieser fast vergessene Meister des feinen Humors, der unserem Theater so nahe stand, doch noch nicht ganz aus dem Gedächtnis der Berliner getilgt ist.

In der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit 2014/ 2015 war das Renaissance-Theater auch außerhalb Berlins wieder umfangreich als „Botschafter der Hauptstadt“ präsent. Mit der Revue ICH WEISS NICHT, ZU WEM ICH GEHÖRE gastierten wir im Ernst Deutsch Theater in Hamburg. Mit VENUS IM PELZ waren wir im St. Pauli Theater in Hamburg zu Gast. Außerdem unternahmen wir Tourneen durch den deutschsprachigen Raum mit EWIG JUNG, mit DER LETZTE VORHANG und mit ROT.

Und auch auf eine Theater-Preis-Trägerin können wir in der Spielzeit 2014 / 2015 wieder stolz sein: Der vom Berliner Theaterclub vergebene Publikumspreis „Goldener Vorhang“ – dieses Jahr letztmalig im Rahmen eines großen Theaterballs im Palais am Funkturm verliehen - wurde Ende November 2014 an Anika Mauer für ihre Rollen in VENUS IM PELZ, DIE IDEALE FRAU und DER IDEALE MANN übergeben.  

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