DIE SPIELZEIT 2008 / 2009

Am 11. September 2008 starteten wir mit SOUVENIR – Eine Phantasie über das Leben der Florence Foster Jenkins – von Stephen Temperley in unsere Spielzeit 2009/ 2009. Unter der Regie von Torsten Fischer, in einem Bühnenbild von Vasilis Triantafillopoulos und mit Kostümen von Andreas Janczyk feierte dieses Stück bereits am 28. Juni 2008, als letzte Premiere der vorangegangenen Spielzeit, seine deutschsprachige Erstaufführung an unserem Theater. Da diese Produktion von der Presse enthusiastisch gefeiert  wurde und den beiden Darstellern Désirée Nick und Lars Reichow großartige Kritiken bescherte, lag es auf der Hand, mit dieser außergewöhnlichen Geschichte die neue Spielzeit zu beginnen.   

Im New York der 1940er Jahre war Florence Foster Jenkins das absolute Gesellschaftsereignis. Sehr zum Vergnügen ihres Publikums quälte und quietschte sie sich munter durch die allererste Gesangsliteratur. Zunächst auf Wohltätigkeitsveranstaltungen, dann auf Bällen bis hin zu ihrem legendären Konzert in der Carnegie Hall entwickelten sich ihre eigenwilligen Sangeskünste und Bühnenauftritte zur Sensation, die sich keiner entgehen lassen wollte. In ihrem Kopf mag sie mit engelsgleicher Stimme die Welt bezaubert haben. In der akustischen Realität aber bogen sich die Zuschauer aus der High Society vor Lachen. Doch  Florence ließ sich durch nichts erschüttern und zelebrierte fernab aller schnöden musikalischen Konventionen ihre Freude an der Musik. Unterstützt von einem Freundeskreis, der ebenso schillernd war wie sie selbst, ist es kaum erstaunlich, daß auch der große Enrico Caruso zu ihren Bewunderern zählte. „Schlecht singen muß man können, Désirée Nick kann es gut. Noch lange klingt einem die katzenjaulige Arie der Königin der Nacht im Ohr. Das Renaissance-Theater dürfte damit einen Hit landen“, jubelt  DER TAGESSPIEGEL und die BERLINER ZEITUNG schreibt „Einen Glücksgriff bedeutet für Torsten Fischers amüsante, sensibel und gescheite Inszenierung das Engagement der Berliner Tash-Ikone Désirée Nick. Genüsslich zelebriert sie Dissonanzen, demoliert Noten, daß die Fensterscheiben zittern. Der wunderbar trockene Kabarettist Lars Reichow sorgt zumindest manchmal für schmerzgeldfreie Musik.“ Wie viele unserer Produktionen wird auch SOUVENIR auf Gastspielreisen (Theater der Stadt Schweinfurt, Theater in der Josefstadt Wien, Bozen, Meran, Schaan) sowie auf  Deutschlandtournee gehen.

Schnell folgte am 28. September 2008 die Premiere einer Koproduktion mit dem Théâtre National du Luxembourg und den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Mit GOLDENER WESTEN von Sam Shepard unter der Regie von Frank Hoffmann gingen wir das Wagnis ein,  mit den beiden Berliner Deutsch-Türken Oktay Özdemir und Eralp Uzun fernsehbekannte aber theaterunerfahrene junge Darsteller für unser Theater zu verpflichten. Ziel war es, das Haus auch einem jungen Publikum zu öffnen, das seine Freizeit eher im Kino oder der Disco als im Theater zu verbringen pflegt. Das Thema des Stückes ist modern, aufrüttelnd und provokant:

Eigentlich sollte Austin, Eralp Uzun als Streber-Drehbuchautor, nur die Pflanzen im Hause seiner Mutter bewässern, solange diese in Alaska Urlaub macht. Doch als sein Bruder Lee, Oktay Özdemir als Outsider der Familie, unerwartet auftaucht, sinkt die Lebenserwartung des Grünzeugs gegen Null. Zwischen den beiden Brüdern entbrennt ein wahnwitziger Kampf. Das uralte Thema des Bruderzwists wird von Sam Shepard in krasser und witziger Weise auf die Bühne gebracht. Neben der Erkenntnis, daß selbst gestandene Männer immer kleine Jungs bleiben und die meisten Morde im Familienkreis passieren, wird letztlich eines klar: Der wilde Westen lebt! Und mit den Berliner Jungs kommt er zum Beben! Oktay Özdemir – der Grimme-Preisträger, ein schauspielerisches „Naturereignis“, bekannt durch Filme wie KNALLHART und WUT – und Eralp Uzun, der längst nicht nur den Jimmy tanzt – bekannt durch die TV-Serienhauptrolle in ALLE LIEBEN JIMMY. Verstaubte Western-Nostalgie kommt da nicht auf – eher Kreuzberg-Slang mit Hype. Obwohl wir tastsächlich einen starken Anstieg an jugendlichem Publikum verzeichnen konnten, wog dies die Irritationen unseres Stammpublikums nur teilweise auf.

Keine zwei Wochen nach GOLDENER WESTEN präsentierten wir,  thematisch abgestimmt auf den Präsidentschaftswahlkampf in den USA, mit der deutschsprachigen Erstaufführung von David Mamets NOVEMBER sogleich die zweite Eigenproduktion dieser Spielzeit. Das neue Stück des Pulitzer-Preisträgers spielt nur wenige Tage vor einer US-Präsidentenwahl und thematisiert die Intrigen und Skandale eines fiktiven Präsidenten.

Seine Umfragewerte sind im Keller, seine Wahlkampfkasse leer, die Parteifreunde rücken von ihm ab. Obwohl sein Personal längst das Handtuch geworfen hat und seine Frau beginnt, sich auf ein Leben nach dem Weißen Haus einzurichten, ist er nicht bereit aufzugeben. Wieder einmal zeigt uns Mamet, daß sich nirgends tiefere Abgründe auftun als im höchsten Amt des Landes - insbesondere wenn der amtierende Oberbefehlshaber versucht, Themen wie die lesbische Ehe, indianische Kasinos, groteske Begnadigungen und fragwürdige Wahlkampfspenden in den Griff zu bekommen, ohne dabei die Kontrolle über das Oval Office zu verlieren. Mit Rufus Beck als Präsident und Tilo Prückner als dessen Berater sowie Anna Franziska Srna, Nikolaus Okonkwo und Friedrich Schoenfelder stehen unter der Regie von Torsten Fischer, im Bühnenbild von Herbert Schäfer und Kostümen von Isabel Ines Glathar wieder bekannte und beliebte Schauspieler auf unserer Bühne. „Gelungene Pointen und amüsante szenische Karikaturen … Mamets Farce kreist …zwischen Scherz, Satire und Ironie“, schreibt Irene Bazinger in der FAZ oder Patrick Wildermann lobt im TAGESSPIEGEL: „Rufus Beck spielt mitreißend das ideologieresistente Stehaufmännchen des Wahlkampfs, ... der bereit ist, sich von einem Truthahn-Lobbyisten (Nikolaus Okonkwo) kaufen zu lassen, dessen Vogel er zu Thanksgiving medienwirksam begnadigen soll. Ebenso gut ist Tilo Prückner als Anwalt Archer Brown – ein Strippenzieher, der das eigene Leben hintanstellt, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen.“

Wie schon im Jahr davor, war auch 2008 das Renaissance-Theater wieder am Italienischen Theaterherbst in Berlin beteiligt, einem Festival, welches in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium Italiens, dem Europäischen Theaterinstitut Italiens und dem italienischen Kulturinstitut Berlin ausgerichtet wurde. Mit LE CINQUE ROSE DI JENIFER IL DEFICIENTE war Ende November das Nuovo Teatro/ Teatro Stabile d’Innovatione zu Gast in unserem Hause.

Pünktlich vor Weihnachten folgt ein Stück, wie es zum Fest kaum besser passen könnte. Mit dem Komödienklassiker FROHE FESTE von Altmeister Alan Ayckbourn unter der Regie von Antoine Uitdehaag, einem Bühnenbild von Tom Schenk und in Kostümen von Petra Kray und den wunderbaren Schauspielern David Bennent, Anna Böttcher, Katherina Lange, Thomas Limpinsel, Julia Stemberger und Guntbert Warns folgt die nächste Premiere am 13. Dezember 2009.

Mit einer Weihnachtsfeier, die ihresgleichen sucht, hofft Geschäftsmann Sidney, bei seinen illustren Gästen - einem Bankier und einem Architekten nebst Gattinnen - nicht nur Eindruck zu schinden, sondern auch Geld für ein Projekt locker zu machen. Ein guter Plan, der aber durch Übereifer und vor allem durch die Putzsucht seiner Frau Jane erheblich gefährdet wird. Ein Jahr darauf lädt das Architektenehepaar Eva und Geoffrey zum Fest, in dessen Verlauf die mit ihrem Leben hadernde Eva demselben auf alle erdenkliche Weisen ein Ende bereiten möchte – während ihre Gäste dies immer wieder unbewußt verhindern. Ein weiteres Jahr verstreicht und dieses Mal trifft man beim Banker Ronald und seiner dem Alkohol zugeneigten Gattin Marion aufeinander, um das Fest der Liebe und Besinnlichkeit zu begehen. Und wieder einmal kommt alles anders als geplant… “Ein Komödien-Klassiker, mithin das Versprechen auf rasante Dialoge, absurde Verwicklungen, Slapstick. Von alldem gibt’s auch reichlich. … Ein hintergründiger Spaß, ein famoses Ensemble – schöne Bescherung!“, schreibt z. B. DER TAGESSPIEGEL.

Die Rolle der Charlotte von Mahlsdorf in Doug Wrights ICH MACH JA DOCH, WAS ICH WILL bescherte im Dezember 2008 Dominique Horwitz den einzigen vom Publikum vergebenen Berliner Theaterpreis - den  Goldenen Vorhang des Berliner Theaterclubs 2008. Was lag also näher, als diese Produktion im Januar 2009 noch einmal auf den Spielplan zu setzen?

Mit HAUTNAH von Patrick Marber beginnen wir am 24. Januar unseren Premierenreigen 2009. Ulrike Jackwerth führt Regie, das Bühnenbild entwirf Werner Hutterli, für die Kostüme zeichnet Uta Loher verantwortlich. Es spielen erstmal an unserem Theater Natalia Wörner, Julia Malik und Urs Fabian Winiger sowie Markus Gertken, der bereits in Stücken wie VERDAMMT LANGE HER, MUTTERS COURAGE oder ROCK’N’ROLL brillierte. Mit seinem großen Broadway-Erfolg HAUTNAH trifft der englische Bühnenautor Patrick Marber den Nerv der Zeit. Er demaskiert die Liebe, entzieht ihr die Romantik und präsentiert das Ergebnis mit schonungsloser Aufrichtigkeit: In HAUTNAH wird die Liebe zum gnadenlosen Kampf, zu einem Kräftespiel von gegenseitiger Anziehung und Abstoßung.
„Die meisten Liebesgeschichten erzählten vom Anfang einer Beziehung, von ihrer Mitte und dem Ende der Liebe“, erklärt Marber. „Mir erscheint der Mittelteil stets als der langweiligste. Bei HAUTNAH wollte ich hart von Anfang zum Ende einer Liebe schneiden und darauf vertrauen, daß sich das Publikum den Mittelteil selbst vorstellt.“ Aber worum geht es? Dan, ein attraktiver, aber erfolgloser Schriftsteller, hält sich mit dem Verfassen von Nachrufen über Wasser. Alice, eine junge New Yorker Stripperin, will in London ein neues Leben beginnen. Die geschiedene Fotografin Anna steht kurz vor ihrem Karrieredurchbruch. Der ehrgeizige Arzt Larry weiß eigentlich ganz genau, was er will. Zwei Männer, zwei Frauen, zwei Paare, deren Beziehungen durch zufällige Begegnungen vollkommen durcheinander geraten. Ein verhängnisvolles Spiel der Seitensprünge setzt sich in Gang. Schonungslos offen stellt Patrick Marber das Beziehungsleben seiner Figuren dar, ihre verzweifelte Suche nach einer dauerhaften Bindung, ihre Sehnsucht nach Liebe. Kühl, heutig und ohne Betulichkeit schildert er die Gefühlsverwirrungen einer Generation, die alles haben und nichts behalten kann, die sich Beziehungen leistet wie einen neuen Computer, Beziehungen wechselt wie ein Auto, Beziehungen wegwirft wie ein altes paar Schuhe. Dan, Alice, Anna und Larry sind nicht schuld daran und sie sind nicht glücklich damit. Sie sind großer Gefühle fähig, tiefer Sehnsucht und tiefer Trauer. Sie können Glück und Schmerz empfinden, sie sind ehrlich, sensibel und konsequent. Doch sie müssen und dürfen sich nicht entscheiden, sich nicht festlegen, auf nichts verzichten. Warum sollten sie es ausgerechnet in der Liebe können? Der Kritiker des TAGESSPIEGELS, Patrick Wildermann schreibt: „ ... Das Vierermatch ist eröffnet, Eifersuchtsausbruch reiht sich an Trennungsszene ... Wobei gen Ende das hohe Tempo die Melancholie überspielt, die „Hautnah“ bei aller Flottheit grundiert. Sehnsucht und Tristesse verkörpert Natalia Wörner als lebenserfahrene Anna, die durch den Sucher ihrer Kamera auf das flüchtige Treiben schaut, an dem sie selbst teilhat.“

Es folgte eine weitere Koproduktion. Diesmal war das Wiener Theater in der Josefstadt unser Partner. Mit WIE ES SO LÄUFT spielen wir erstmals ein Stück von Neil LaBute, der im deutschsprachigen Raum zu den meistgespielten amerikanischen Dramatikern der Gegewart zählt. Dominique Horwitz, Sandra Cervik und Nikolaus Okonkwo stehen auf der Bühne, Torsten Fischer führt Regie. Das Bühnenbild entwirft Herbert Schäfer, die Kostüme Ute Lindenberg. Wie auch schon in HAUTNAH geht es einmal mehr in dieser Beziehungsgeschichte dreier Menschen um die Frage nach der Wahrheit.

Die Wahrheit, die so verdammt schwer zu fassen ist. Man fängt an, jemandem die Wahrheit zu erzählen und - wie es eben so läuft - entgleitet sie einem. In Neil LaButes Stück erzählt ein Mann seine Version einer Geschichte: Zurückgekehrt in seine Heimatstadt trifft er durch Zufall seine Jugendliebe wieder. Belinda ist inzwischen verheiratet mit Cody, dem Sporthelden  der gemeinsamern Collegejahre. Wie es so läuft beginnen Belinda und ihr, früher gar nicht beachteter, Jugendfreund wieder miteinander zu flirten. Darüber hinaus zieht er in eine Wohnung über der Garage von Belinda und Cody. Ein Arrangement so praktisch wie gefährlich. Gegen Eifersucht ist niemand gefeit, auch Erfolgstyp Cody nicht. Bald wird offenbar, daß seine Ehe mit Belinda aus mancherlei Gründen längst vor dem Aus steht. Eine schwer durchschaubare Konstellation zwischen den drei Menschen tut sich auf, die an die Dreiecksbeziehung zwischen Othello, Desdemona und Jago erinnert, aber die Rollen sind anders verteilt und ordnen sich unter wechselnden Perspektiven immer neu. Mit der banalen Lebenserfahrung ‚Wie es so läuft’ kommt man nicht hinter das Geheimnis der Figuren. Neil LaBute hat hinter jeder Wendung der Geschichte noch eine Überraschung für den Zuschauer parat. Es bleibt der Zweifel: Dichtung und Wahrheit, wer kann sie unterscheiden? Das Publikum und die Presse sind gleichermaßen begeistert. „Selten sieht man Boulevard so spannend, witzig und treffend besetzt“, lobt die BERLINER MORGENPOST und DER TAGESSPIEGEL meint: „Das Stück funktioniert als enorm unterhaltsames Gesellschaftspsychogramm der kleinen Unterschiede.“

Es folgte die Wiederaufnahme unserer, für den renommierten Friedrich-Luft-Theaterpreis der BERLINER MORGENPOST nominierten, deutschsprachigen Erstaufführung von Ron Hutchinsons MONDLICHT UND MAGNOLIEN. Noch einmal erzählte Regisseurin Tina Engel die Geschichte der Entstehung des Filmklassikers VOM WINDE VERWEHT aus der Sicht seiner Macher mit Jürgen Tarrach als Produzent David O. Selznick, Guntbert Warns als Regisseur Victor Flemming, Boris Aljinović als Drehbuchautor Ben Hecht und Barbara Kowa als Selznicks Sekretärin Miss Poppenghul. Die drei Aufführungen wurden ein Fest für Publikum und Darsteller.

Als letzte Eigenproduktion dieser Spielzeit kommt am 2. Mai 2009 unter dem Titel DER GROSSE KRIEG/ DIE FURIEN/ WAS ERNSTES das neueste Werk von Neil LaBute an unserem Theater heraus. In drei Minidramen erforscht Neil LaBute das Schlachtfeld der Liebe und er ist ein Meister darin, die Abgründe der sozialen Kleinzelle mit großer Leichtigkeit zu biblischer Wucht zu verdichten. Doch unter der Oberfläche seiner Texte  lauern nicht nur Hinweise auf die Theatergeschichte, sondern auch bösartige Seitenhiebe auf die Heuchelei in unserer Gesellschaft. Unter der Regie von Torsten Fischer und in einem Bühnenbild von Vasilis Triantafillopoulos spielen Katherina Lange, Josefin Platt und Guntbert Warns.

Ehen können im Gemetzel enden. Zum Beispiel im Wohnzimmer von Mann und Frau, die in DER GROSSE KRIEG die Formalitäten ihrer Scheidung ausfechten. Hier läßt ein Paar, das sich trennen will, alle Rücksicht fahren und LaBute macht mit Anklängen an „Medea“ gnadenlos deutlich, wer unter der Trennung leiden wird: die Kinder. In DIE FURIEN hat Paula sich mit ihrem Freund Jimmy zu einer Aussprache verabredet - doch Jimmy kommt nicht allein, er bringt seine Schwester Jamie mit. Sie ist sozusagen die Souffleuse ihres Bruders, er ist ihr Medium, durch das sie, die Züge der Medusa trägt, die verhaßte Paula attackiert. WAS ERNSTES erzählt die Geschichte einer Frau, die auf einen Mann wartet. Aber der Traummann, den sie ersehnt, wird wohl nicht mehr erscheinen. Leider stellt sich das Publikum zu diesem Theaterabend nicht so zahlreich ein, wie erhofft.

Das genaue Gegenteil erlebten wir mit der lang ersehnten Wiederaufnahme des Klassikers „KUNST“ von Yasmina Reza. In fünf ausverkauften Vorstellungen  konnten Udo Samel, Peter Simonischek und Gerd Wameling einmal mehr ihr Berliner Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Nur wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag ist am 13. Mai 2009 die Schauspielerin Monica Bleibtreu unerwartet gestorben. Vom 12. bis 21. Juni hätte sie in dem Stück NACHTGESPRÄCHE MIT MEINEM KÜHLSCHRANK  von Klaus Pohl auf der Bühne unseres Theaters stehen sollen. Stattdessen spielten wir nun vom 14. bis 21. Juni MARLENE von Pam Gems/ Volker Kühn und sind sehr froh, daß Judy Winter, Ulrike Jackwerth und Harry Ermer diese unerwartete Wiederaufnahme ermöglicht haben, denn eigentlich war am 14. Januar 2006 der letzte Vorhang für diesen Welterfolg gefallen! 533 Vorstellungen in 62 Städten und 7 Ländern ist die stolze Bilanz auf die MARLENE zurückblicken darf. Kurz vor Spielzeitende bescherte uns diese Aufführungsserie ein gewaltiges Publikums- und Medieninteresse.

Auch in dieser Spielzeit präsentierte Otto Sander seine brillante Interpretation von Samuel Becketts DAS LETZTE BAND auf unserer Bühne - eine Koproduktion des St. Pauli Theaters Hamburg, mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Renaissance-Theater.

Aber nun zu unseren „kleineren“ Unternehmungen: Unter dem Titel DER DICHTER, DER ÜBER SEINEN SCHATTEN SPRANG erinnerten Boris Aljinović, Tina Engel, Katherina Lange, Prof. Klaus Völker und am Flügel Nikolai Orloff am 7. Dezember 2008 anläßlich des 50. Todestages unseres Gründers Ferdinand Bruckner an Leben und Werk des heute nahezu in Vergessenheit geratenen Dramatikers und Theaterleiters. In der späten Weimarer Republik war Ferdinand Bruckner (eigentlich Theodor Tagger) einer der prominentesten und umstrittensten Bühnenautoren und eröffnete zusammen mit seiner Frau Bettina das Renaissance-Theater in Berlin. Mit Stücken wie KRANKHEIT DER JUGEND und DIE RASSEN erlangte Ferdinand Bruckner Weltruhm. Heimgekehrt aus dem Exil starb er am 5. Dezember 1958 in Berlin.

Zum 80. Geburtstag 2002 schrieb Steffi Recknagel unter dem Titel DAS RENAISSANCE-THEATER – VON DEN ZWANZIGERJAHREN BIS HEUTE die Biografie unseres Theaters. Sie beleuchtete die Geschichte des Hauses bis zur Gegenwart: von den Anfängen in den Zwanzigerjahren unter dem experimentierfreudigen jungen Direktor Theodor Tagger, der als Ferdinand Bruckner einer der bedeutendsten Dramatiker der Weimarer Republik wurde; vom Umbau durch den renommierten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann zu einem einzigartigen Art-Déco-Theater; von Bühnenlegenden wie Tilla Durieux, Helene Weigel, Heinrich George, Käthe Dorsch, Theo Lingen u.v.a.; bis zur unverwechselbaren Rolle, die das Theater als anspruchsvolles Schauspielertheater im heutigen Berlin spielt. Sechs ereignis- und erfolgreiche Spielzeiten sind seitdem vergangen. Sechs Jahre, auf die wir gerne und stolz zurückblicken. Eine großzügige Spende der Bayer AG ermöglichte uns nun eine um 32 großzügig bebilderte Seiten erweiterte Neuauflage des Buches. Erinnern Sie sich noch u. a. an ACHT FRAUEN, ENIGMA, DEMOKRATIE, DIE ZIEGE oder WER IST SYLVIA? An Mario Adorf, Christian Berkel, Suzanne von Borsody, Nicole Heesters, Ulrich Mühe, Tilo Nest, Otto Sander, Andrea Sawatzki,Peter Striebeck, Gerd Wameling und all die anderen wunderbaren Schauspieler auf unserer Bühne in den letzten Jahren? Wer einmal in die Geschichte des Hauses eingetaucht ist, kommt sicher nicht so schnell wieder davon los.

Neben den Eigenproduktionen, Koproduktionen und Gastspielen wurden auch unsere kleinen literarischen Abende unter dem Titel LITERARISCHE STREUFZÜGE weiter gepflegt. So waren Maria Barbal, Hans Otto Bräutigam und Frank-Walter Steinmeier Gast in unserem Theater. Die BERLINER LEKTIONEN präsentierten in unserem Theater Christopher Clark, Volker Schlöndorff, Helmut Lachenmann und Peter Ruzicka, Claude Lanzmann, Karl Kardinal Lehmann und Rem Koolhaas. Im Bruckner-Foyer spielten die gesamte Spielzeit hindurch, mit schöner Regelmäßigkeit und immer sehr gut verkauft, DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN von Irmgard Keun/ Gottfried Greiffenhagen mit Katherina Lange und Nikolai Orloff am Klavier, der Ringelnatz-Abend UND AUF EINMAL STEHT ES NEBEN DIR ... mit Hans Diehl und Christian Gerber am Akkordeon sowie der Mascha Kaléko-Abend DU HÖRTEST MEIN GRAS WACHSEN mit der Schauspielerin und Mezzosopranistin Regine Gebhardt und Olaf Taube am Vibraphon. Mit der Premiere des Balladenabends WO IMMER DIE WELT AM SCHÖNSTEN WAR mit Jürgen Thormann und Nikolai Orloff am Klavier konnten wir ab dem 19. Oktober 2008 unserem Publikum ein weiteres Foyer-Programm anbieten. DER TAGESSPIEGEL rezensierte: „Jürgen Thormann denunziert nicht, er persifliert nicht, er entpathetisiert jedoch entscheidende Stellen, die Herausgeschmettert bei aller Lust an Nostalgie nicht mehr gut möglich wären. … die volle Kunst des Sprechens … frenetischer Beifall am Ende.“ Auch die Reihe KAMMERMUSIK & LITERATUR mit dem Kuss Quartett und Udo Samel wurde mit  Veranstaltungen unter dem Titel OHNE GRUND NICHT DENKEN sowie TRAUMBILDER 2008/ 2009 äußerst erfolgreich weitergeführt.  Als ganz besondere  Veranstaltung konnten wir darüber hinaus am 6. April 2009 den Gründer des legendären LaSalle Quartetts Walter Levin im Rahmen eines seiner Gesprächskonzerte über Alban Bergs „Lyrische Suite“ im Renaissance-Theater begrüßen. Alban Bergs „Lyrische Suite“ gehört seit seiner Uraufführung 1927 zu den erfolgreichsten Werken der Zweiten Wiener Schule. Im ersten Teil des Gesprächskonzertes analysierte Walter Levin die merkwürdige Verquickung dieses autobiographischen Dokuments und absoluter Musik und machte das Publikum mit dem Werk und seinen kompositorischen Eigenheiten anhand vieler Beispiele, die vom Ensemble demonstriert werden, vertraut. Anschließen führte das Vogler Quartett das Werk auf in der wiederhergestellten Originalkonzeption des letzten Satzes, gesungen von Isolde Siebert. Dieser Abend wurde vom Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet und am 2. Mai 2009 in vollständiger Länge ausgestrahlt.

In der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit 2008/ 2009 war das Renaissance-Theater auch außerhalb Berlins wieder präsent. Neben „KUNST“ am Wiener Burgtheater und weiteren Bühnen Österreichs gastierten wir mit MONDLICHT UND MAGNOLIEN, DER KARNEVAL DER TIERE/ DIE KÜCHENREVUE in Leverkusen und waren damit Teil der Jubiläumsspielzeit anläßlich des hundertjährigen Bestehens des Bayer-Erholungshauses, der Hauptspielstätte der Bayer AG. Auch mit ICH MACH JA DOCH, WAS ICH WILL besuchten wir Leverkusen, waren mit ICH MACH JA DOCH, WAS ICH WILL und ALTE FREUNDE mehrfach in Serie in den Hamburger Kammerspielen zu Gast und mit WIND IN DEN PAPPELN und DER KRAWATTENKLUB auf Deutschlandtournee.

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