GESCHICHTE DES RENAISSANCE-THEATERS
Das Renaissance-Theater und César Klein


"1997 feiert das Renaissance-Theater seinen 75. Geburtstag" - unter dem Titel haben wir in den letzten sechs Ausgaben die Geschichte des Hauses erzählt. Natürlich ist das Thema damit längst nicht erschöpft. Natürlich gibt es zu vielen Künstlern, ihrem Werk und Wirken weitaus mehr zu sagen.

Deshalb und weil sich offenbar viele von Ihnen für Theatergeschichte(n) interessieren, wollen wir uns nun in lockerer (nicht chronologischer) Folge einzelnen Künstlern zuwenden, die das Gesicht des Renaissance-Theaters seit seiner Eröffnung im Jahre 1922 geprägt haben.

Bis zu seinem Umbau war das Renaissance-Theater nicht viel mehr als ein Lagerraum mit einigen Reihen harter Sitzgelegenheiten. Als es nach sechsmonatiger Bauzeit am 8. Januar 1927 neu eröffnet wurde, hatte es sich in einen der schönsten und künstlerisch reizvollsten Theaterräume verwandelt - dank der Genialität des Theaterarchitekten Oskar Kaufmann. Publikum und Kritik waren vom intimen Raumerlebnis in dem mit edlen Hölzern vertäfelten Zuschauersaal begeistert. Absolut ohne Beispiel aber war und ist das große Intarsienwandbild im Balkonbereich, das Oskar Kaufmann von César Klein entwerfen ließ und das dem Theater den liebevollen Beinamen "Schmuckkästchen in der Hardenbergstraße" eintrug: Die großfigurige Intarsiendekoration, die von einer Seite der Bühne zur anderen gleich einem Rundprospekt über die Rückwand schwingt, wirkt wie das Äußere einer riesigen, kostbaren Schmuckschatulle.

César Klein (1876 - 1954) ist heute nur noch wenigen bekannt. Das mag daran liegen, daß es bislang keine Gesamtdarstellung seines ungemein vielseitigen künstlerischen Schaffens gibt. Er war nicht nur Maler, sondern auch Bühnenbildner und ein Meister der angewandten bildenden Kunst. Buchillustrationen, Plakate, Mosaiken und vor allem die Ausstattung des Marmorhauskinos (1913) machten ihn bekannt. Er entwarf u.a. Glasfenster für den Lichthof des Warenhauses Wertheim, Mosaiken und Deckengemälde im Theater am Kurfürsten-damm und in der Kroll-Oper. Diese architekturgebundenen Werke wurden jedoch alle im Krieg zerstört - nur das Intarsienwandbild im Renaissance-Theater blieb als Zeugnis seiner Könnens unbeschädigt erhalten.

In der Kunstszene Berlins hat sich César Klein aktiv engagiert: 1910 als Mitglied der Neuen Sezession, 1918 als Mitbegründer der Novembergruppe (unter dem Eindruck der November-Revolution) und des Arbeitsrates für Kunst, 1919 wurde er in den Vorstand des Werkbundes gewählt. In diesem Jahr entstand sein erstes Bühnenbild. Bis 1926 hatte er bereits für insgesamt vierzig Aufführungen Bühnenbilder entworfen, darunter für berühmt gewordene Inszenierungen Leopold Jessners, wie Grabbes "Napoleon oder die hundert Tage" am Staatlichen Schauspielhaus: Einen Bundesgenossen, der Grabbes zahllose Schauplätze mit zauberhafter Einfachheit der Bühne gewann, ohne Illusionen preiszugeben, fand Jessner in César Klein, diesem einzigartig mitdenkenden Alleskönner (Berliner Börsen-Courier 1922).

César Klein leitete die Klasse für Wand-, Glasmalerei und Bühnenbild an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst Berlin, als er den Auftrag für das Renaissance-Theater erhielt. Sein Intarsienwandbild zeigt Szenen und Motive der Commedia dell'arte mit den für sie typischen Figuren Harlekin, Pierrot, Columbine und anderen, die in ein System aus Stufenfolgen und Podien gestellt sind. Die Ausführung erfolgte durch die Intarsienwerkstatt Nast, die zu den bekanntesten Berlins gehörte.

Die Bildfolge besteht aus gängigen Handlungsmotiven der Commedia dell'arte, in der es immer um die Liebe geht: Szenen der Werbung, Verführung, des heimlichen Stelldicheins, der Intrige, Verwirrung, Eifersucht, Entführung und des Duells. Kleins Darstellung des Maskenspiels, Reminiszenzen an Vorbilder wie Callot und Watteau, stellen Theatergeschichte dar.

Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde er wiederholt zur Zielscheibe von Angriffen in der NS-Presse. Sein Bühnenbild zur "Minna von Barnhem" im Deutschen Schauspielhaus Hamburg 1936 sollte sein letztes werden: Eine Negerstatue auf der Bühne empörte die Vertreter der Herrenrasse. Klein wurde aus dem Lehramt verwiesen und erhielt Arbeitsverbot. Ist deshalb sein Deckengemälde im oberen Foyer des Renaissance-Theaters, dem lindgrünen Buffetraum, überstrichen worden?

Klein zog sich in ein Dorf in der Nähe von Lübeck zurück. Nach dem Krieg schrieb er: Zuerst muß der Schutt, hier der geistige Schutt fortgeräumt werden, der jede genialische Entfaltung erstickte.

Freundeskreis Cesar Klein: www.cesar-klein.de

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