Geschichte des Renaissance-Theaters
1979 bis 1995

Fast 33 Jahre hatte Kurt Raeck, ein Theaterprinzipal vom alten Schlage, das Renaissance-Theater geleitet, als er im Mai 1979 die Direktion an Horst Messalla übergab. Doch erst nachdem Heribert Sasse zwei Jahre später das Zepter übernommen hatte, machte das Haus wieder positiv von sich reden.

Er stellte sich mit Molnárs "Liliom" zugleich, wenn auch von einer Notsituation erzwungen, als Regisseur und Schauspieler vor. Der dreifache Einstand begründete eine Reihe beachtlicher Erfolge. Schon der Spielplan zeigte Flagge mit Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer" (mit Ernst Jacobi), Horvaths "Kasimir und Karoline" (mit Sascha Scholl und Andrea Nürnberger) und Pavel Kohouts "Armer Mörder", vom Autor mit Maximilian Schell in der Hauptrolle inszeniert. Vor allem das wohl ehrgeizigste Projekt, Brechts "Arturo Ui" mit dem Direktor in der Titelrolle fand weithin Anerkennung und Beifall, von seiten des Publikums wie der Kritik.

Sasse hatte sich damit für höhere Aufgaben (als Chef der Staatsbühnen) empfohlen. Unter der Leitung seines Nachfolgers, des Dramaturgen Knut Boeser, geriet das Renaissance-Theater jedoch ins Schlingern.

Es stabilisierte sich ab 1986, als ein ausgewiesener Regisseur und erfahrener Theaterleiter in der Person Gerhard Klingenbergs ans Ruder kam, der zuvor Direktor des Wiener Burgtheaters und des Züricher Schauspielhauses gewesen war. Sein erklärtes Credo, "Schauspieler-Theater" zu machen, setzte er denn auch in die Tat um und holte namhafte Schauspieler ans Haus wie Karin Baal, Maria Becker, Karin Eickelbaum, Lola Müthel, Judy Winter, Sebastian Fischer, Carl Raddatz, Hartmut Reck und Helmut Lohner zum Beispiel. So wurde das schöne Haus am alten Charlottenburger "Knie" wieder für ein breiteres Publikum attraktiv. Doch als die Grenze, die die Stadt teilte, fiel, zeigten sich bald die Grenzen des Konzepts, denn es basierte auf Erfahrungen, die unter ganz anderen Bedingungen gewonnen worden waren. Ein großer Teil der Zuschauer wanderte nun in Ost-Berliner Theater ab, eine Reaktion auf die veränderte Situation aber blieb aus. Wieder einmal waren neue Ideen gefragt, Ansätze für eine Theaterarbeit, die die vielfältigen Umbrüche in der Stadt und der kulturellen Landschaft berücksichtigt.

 

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