Renaissance Theater Berlin
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RAMEAUS NEFFE

von Denis Diderot und Johann Wolfgang von Goethe

Was Genie und Haß, was Kunst und Galle vermögen...

Ein einladender Salon im ersten Stock, man sitzt bequem bei einem Glas Wein rund um die kleine Bühne mit Gartenbank und Herbstlaub, eine charmant-sympathische Begrüßung: So beginnt ein ungewöhnlicher, intimer Theaterabend, ein Kammerspiel in des Wortes reinster Bedeutung – ein Zwei-Personen-Stück, der von Goethe 1805 übersetzte Dialog-Roman „Rameaus Neffe“ von Denis Diderot, übrigens keineswegs ein Nebenwerk, es zählt zu den berühmtesten Übersetzungen der Weltliteratur und ist das letzte Gemeinschaftsprojekt mit Schiller. „Ich“ ist ein Mann der besseren Gesellschaft, gut gekleidet in Samt, Seide und mit Perücke, „Er“, der Neffe des berühmten Musikers, ein heruntergekommener Penner und Stadtstreicher, ein Schnorrer an den Tischen der Reichen, die er mit seinem Witz, seinen geistreichen Apercus, seinen philosophischen Absurditäten unterhält und im Gespräch mit dem „Ich“ davon Kostproben liefert. Denn womit dieser Neffe des großen Rameau, als missratenes und verkommenes Genie, die dekadente Adelsgesellschaft amüsierte, war der blanke aber geistreiche Zynismus, mit dem er seinen Gönnern den Spiegel ihrer Nichtswürdigkeit vorhielt. Er lügt, wenn er ehrlich ist und ist ehrlich, wenn er lügt. Wenn sein intellektuell unterlegener Gesprächspartner bisweilen schockiert reagiert, beeilt sich der Neffe ihm mit seiner mutterwitzigen Pennerphilosophie nachzuweisen, daß sie doch alle im Grunde so zynisch denken wie er: Alles ist Eitelkeit, dekliniert er uns vor.  Er sprüht nur so von Beispielen der Verkommenheit der öffentlichen Moral, die Themen jagen sich, sie sind aneinandergereiht wie Perlen an einer Schnur – man sollte den Text zuhause nachlesen. Ein vergnüglicher Abend auf hohem intellektuellen Niveau ist es allemal.

Das Ganze ist ein Gastspiel von „Hoppes Hoftheater“, das sich als „Dresdens Liebhabertheater“ vorstellt. Mathias Mertens und Daniel Minetti sind die beiden auch als Typen einander glücklich ergänzenden Dialogpartner – wobei Minetti den dankbareren Part hat und diesen mit einer Mischung aus Bauernschläue, irrem Lachen, aufmüpfiger Subalternität zu einer interessanten Theaterfigur macht.

Ekkehart Krippendorff (ND, 6.3.2010)


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Das Getränkebuffet ist vor der Vorstellung und in der Pause geöffnet.


Kartenpreise: 18,00 € / ermäßigt 12,00 €

mit
Mathias Mertens, Daniel Minetti
Regie Helfried Schöbel

Spieldauer 1 Stunde und 50 Minuten, inkl. Pause
Foto: Marko Förster

Foto: Marko Förster

Foto: Marko Förster