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Arye Sharuz Shalicar: "EIN NASSER HUND IST BESSER ALS EIN TROCKENER JUDE"

Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage 2013 liest Dominique Horwitz aus der Autobiographie eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde

1977 wird Arye Sharuz Shalicar als Sohn iranischer Juden, die vor dem Antisemitismus in Persien geflüchtet sind, in Deutschland geboren. Seine Eltern erziehen ihn säkular. Er weiß lange nicht einmal, daß er Jude ist. Auch regelmäßige Besuche bei Verwandten in Israel ändern daran nichts. Erst als sich die Eltern im Berliner Stadtteil Wedding ansiedeln, beginnen die Probleme. Ein Anhänger mit dem Davidstern, von einer Großmutter geschenkt, weist ihn als Juden aus. Die Eltern klären den nun 13-jährigen Jungen über seine Herkunft  auf und das kommt bei seinen muslimischen Freunden im Wedding nicht gut an: "Ich erkenne einen Juden sofort, im ersten Augenblick. Außerdem gibt es keine guten Juden und du bist mein Freund. Du bist niemals ein Jude!", ruft Mahavir. Shalicar erfährt nun den Haß und Antisemitismus der muslimischen Zuwanderer. Dank eines kurdischen Freundes macht er gleichwohl in einer Türkengang Karriere. "Auf dem Höhepunkt meines Gangster-Daseins verkaufte ich Gras, ging fast jeden Abend raus, um zu sprühen, hatte jedes Wochenende Schlägereien mit anderen Gruppen und plante Überfälle und Einbrüche", erzählt der Autor in einem Interview anläßlich der Veröffentlichung seiner Autobiografie im Jahr 2010.

Nur mühsam kann er sich aus dieser Welt wieder lösen. Er macht Abitur. Aber erst bei der Bundeswehr, hier dient er als Sanitäter, wird ihm bewusst, daß er Deutscher ist. "Ich kannte ja kaum Deutsche." An der FU beginnt er Judaistik zu studieren und fängt an, sich mit seiner jüdischen Herkunft auseinanderzusetzen. Er erfährt von seinen Eltern, welchen Verfolgungen die Juden im Iran ausgesetzt waren, wo "ein nasser Hund" besser war "als ein trockener Jude". Nach einem Aufenthalt in einem Kibbuz isst er nur noch koscher - und er hat eine neue Heimat gefunden: Als ich nach Berlin zurückkam, "hatte ich nicht das Gefühl, dass ich nach Hause kam". Das Gefühl der Nichtzugehörigkeit wächst. Schließlich wandert Arye 2001 nach Israel aus, wo er ein anderes Leben führen will: ein Leben der Zugehörigkeit, ein Leben ohne schiefe Blicke, ein Leben als Jude.

2006 absolviert er an der Hebräischen Universität Jerusalem das Bachelor-Studium Internationale Beziehungen, Nahostgeschichte und Politik sowie im Anschluß bis 2009 ein Masterstudium der European Studies. Von 2006 bis 2009 arbeitete er für The Jewish Agency for Israel und 2007 - 2009 für das Nahost-Studio der ARD in Tel Aviv. Er ist ehrenamtlich Vorsitzender der Organisation junger deutschsprachiger Einwanderer in Israel (NOAM) und seit Oktober 2009 Pressesprecher der israelischen Armee (IDF).

"Für die Deutschen war ich ein Kanake, für die Moslems ein Jude, für die Juden ein krimineller Jugendlicher aus dem Wedding."

Arye Sharuz Shalicar

"Vom Kleinkriminellen zum angesehenen Akademiker, vom vermeintlichen Moslem zum echten Juden, vom Berliner Jungen zum Pressesprecher der israelischen Armee, vom Heimatlosen zum tief Verwurzelten: Die Geschichte des Arye Sharuz Shalicar ist ein Beispiel für Toleranz und Versöhnung."

Andrea Seeger, Evangelische Sonntagszeitung 29 Juli 2012

"Die Lebensgeschichte von Arye Sharuz Shalicar wühlt auf. Der Text ist in einem lockeren Erzählstil verfaßt, was ihm zusätzlich Authentizität verleiht ... und er vermittelt die Erkenntnis, daß Identität ein Schlüsselbegriff bei der Integration ist. Wer nicht dazu gehört, wird etwas suchen, dem er zugehören kann; wer ausgegrenzt wird, muss sich seine Identität schaffen."

Dorothea Jung, Deutschlandfunk 6. Dezember 2010


 

Eine Produktion des Renaissance-Theaters Berlin in Kooperation mit den Jüdischen Kulturtagen 2013.

Eintritt: 16 Euro, ermäßigt 12 Euro


Spieldauer ca. 1 Stunde 45 Minuten, ohne Pause

GÄSTEBUCH
Foto: Ralf Brinkhoff

Foto: privat

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