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Literarische Streifzüge 5

Friedrich-Karl Praetorius: DER MANN MIT DER SICHEL

Auf der Bühne hat der Schauspieler Praetorius von Anfang an mit bedeutenden Regisseuren wie Peter Zadek, Hans Neuenfels, Peter Palitzsch, Hans Lietzau, Ivan Nagel und Kurt Hübner zusammengearbeitet und schon bald vornehmlich Hauptrollen gespielt. 1978 wurde er von „Theater heute“ zum besten Schauspieler des Jahres gewählt. Vielen ist er durch seine zahlreichen Film- und Fernsehrollen ein Begriff.
Seit einigen Jahren reüssiert Praetorius nun auch als Prosa- und Theaterautor. Auf drei Bücher und zwei Stücke ist sein schriftstellerisches Werk schon angewachsen. In seinem neuesten Roman Der Mann mit der Sichel ergibt sich eine ominöse Beziehung zwischen einem Flugkapitän, einem Drogenfahnder und einem Psychiater, deren Lebenswege außer Kontrolle geraten. Was dabei passiert, ist mit typischem Praetorius-Humor beobachtet und erfunden: gallig, tollkühn, philosophisch.
Ein Kritiker der Frankfurter Rundschau verglich Der Mann mit der Sichel mit Robert Altmans Film Short Cuts. Wie in diesem finden auch die einzelnen Erzählstränge des Buches verblüffende Berührungspunkte über ihre Protagonisten - ohne deren Wissen.

"Gegen sechs Uhr morgens wacht Anton Droste, Kapitän einer deutschen Fluggesellschaft, in seinem Haus bei Hamburg auf. Etwas neben der Zeit, denkt er. Es ist der 31. Dezember. Der Hochzeitstag seiner Mutter. Daß er wie selbstverständlich gratulieren will und sich ihr strahlendes Gesicht vorstellt, obwohl sie bereits zwei Tage tot in ihrer Frankfurter Wohnung liegt, irritiert ihn nicht...
Am selben Tag, an dem eine Postangestellte Anton Droste eine Unfreundlichkeit zufügt und ihm dann das Paket mit einigen Habseligkeiten seiner Mutter überreicht, stößt dem Polizisten Robert Schuster in einem Hamburger Hotelzimmer etwas zu, woran er sich am nächsten Morgen, ohne jemals im Leben mit Dichtkunst in Berührung gekommen zu sein, nur in Versen erinnern will...
Hager schaut noch einmal auf die Uhr und denkt dabei an den seltsamen Fall des Patienten Robert Schuster, von dem man ihm noch vor wenigen Stunden berichtet hatte. Der Fall des Polizisten Robert Schuster, der Mann mit dem Herzanfall im Hotel, der dadurch auffiel, daß er plötzlich dichtete. Seine Diagnose lautete, frei erfunden: plötzlicher Dichtungswahn. Was immer das bedeuten sollte. Von einem Polizisten wird Dichten nicht verlangt. Aber ist es deshalb untersagt? Oder krank? denkt Hager... Er schaut noch einmal auf die Uhr. Gut in der Zeit. Auch die Abläufe draußen verlaufen erfreulich synchron zu den Zeiten, denen sie entsprechen müssen, ohne Eile, aber effektiv. Die Reiseplanung: Gelungen, keine Zwischenfälle (auch die waren einkalkuliert). Hager stellt sich den Inhalt seines Gepäcks vor. Dieses räumliche Vorstellen beherrscht und liebt er: Wo was in welcher Seiten-, Innen- oder Außentasche plaziert ist..."

GÄSTEBUCH
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