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COSÌ È (SE VI PARE)

Italienischer Theaterherbst in Berlin 2005

Von Pirandello bis Pasolini, von zeitgenössischer Dramaturgie über Tanztheater bis hin zu Kindertheater reicht das vielfältige Angebot des italienischen Theaterfestivals. Unter dem Titel „Italienischer Theaterherbst in Berlin“ werden im Oktober und November 2005 gut ein Dutzend Inszenierungen präsentiert, die eine Vielfalt an künstlerischem Ausdruck, die  beeindruckende Schauspieltradition Italiens sowie innovative Darbietungsformen zeigen. Zum Abschluß des Festivals gastiert die Compagnia del Teatro Carcano am Renaissance-Theater.Die Komödie, 1917 geschrieben, entstand aus einer Novelle LA SIGNORA FROLA E IL SIGNOR PONZA SUO GENERO und wird als eines der Meisterwerke des Theaters von Pirandello betrachtet. Der leicht ironische Titel enthält das existentielle Hauptthema der Produktion des sizilianischen Schriftstellers: die Unmöglichkeit eine einzige Vision der Wirklichkeit zu haben, das Bewußtsein, daß die moralischen und sozialen Konventionen sich als Ketten erweisen, die die Menschen in einer sinnlosen Komödie gefangen halten.„Ich bin diejenige, die man glaubt, vor sich zu haben.“ So definiert sich Frau Ponza selbst. Sie ist eine geheimnisvolle Figur in einer ebenfalls rätselhaften Familie, die aus ihrem Mann und ihrer Mutter, Frau Frola besteht. Die drei leben in verschiedenen Wohnungen und die Dorfbewohner verstehen nicht, welche verwandtschaftlichen Beziehungen unter ihnen bestehen. Danach gefragt, wie zum Beispiel auf dem Gericht, geben Frau Frola und Herr Ponza unterschiedliche Antworten, die allerdings beide richtig und unwiderlegbar sind; Frau Ponza wird dann ihr Geheimnis lüften oder besser dessen Absurdität darlegen. Ihr Gesicht ist dabei von Schleiern verdeckt, um die Undurchdringlichkeit der Wahrheit zu symbolisieren und sie behauptet gegenüber dem Ehemann, die zweite Frau des Herrn Ponza zu sein, gegenüber der Mutter, die Tochter der Frau Frola zu sein, und gegenüber sich selbst, niemand zu sein: die Wahrheit steckt in ihr, hinter der Maske, verhüllt durch die Subjektivität der Figur. Der Mensch Pirandellos, der a priori kein eigenes Wesen hat, wird nur durch den Blick der anderen zu einer Person, indem er verschiedene Rollen und Masken annimmt.  Giulio Bosetti, hier Autor und Regisseur, arbeitet seit langer Zeit mit dem Theater Pirandellos und bringt einen Text mit einem perfekten dramaturgischen Aufbau auf die Bühne, der die vom Autor durchgeführte Revolution auf der Bühne des 20. Jahrhunderts antizipiert. Er übernimmt die wichtige Rolle des Lamberto Laudisi, Zuschauer und Kommentator, aber auch Erfinder der Handlung, der das bittere Bewusstsein seines Schöpfers zu verkörpern weiß.

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