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LE SMANIE PER LA VILLEGGIATURA

Italienischer Theaterherbst in Berlin 2006

Sie machen es wie alle anderen: Im Sommer muß man verreisen! Raus ins Grüne! Oder ans Meer! Koste es was es wolle…

Die Komödie von Carlo Goldoni sieht mit erstaunlicher Aktualität in die Abgründe der Gesellschaft. Es geht um die schon im 18. Jahrhundert weit verbreitete Mode Ferien zu machen. Mit scharfer Zunge entlarvt das Stück die innere Leere eines Menschenschlags, der bereit ist, sich zu verschulden und sogar den eigenen Ruin in Kauf nimmt, um nicht die gewohnten mondänen Riten zu missen. Goldonis Einfallsreichtum, seine Boshaftigkeit, besteht in der falschen Leichtigkeit, mit der er das Thema behandelt. So wird mit wenigen Mitteln, schöner Musik und verblüffend unsinnigen Requisiten eine Gesellschaft gezeigt, in der der Einzelne sich verbiegt und sich selbst schadet nur weil alle anderen das auch tun – in der paradoxen Absicht, sich von den anderen zu unterscheiden.

Carlo Goldoni widmete dem Thema Reisen gleich eine ganze Trilogie. Das erste Stück, LE SMANIE PER LA VILLEGGIATURA, handelt von der großen Unruhe vor den Ferien und dem Nicht-Erwarten-Können der Abreise. Es ist eine Aussicht auf den Aufenthalt im Landhaus und die darauf folgende schwermütige Rückkehr in das alltägliche Leben.

Die Schauspieler und Regisseure Elena Bucci, Stefano Randisi, Marco Sgrosso und Enzo Vetrano verteilen alle Rollen der Komödie auf nur vier Darsteller, die sich fast sichtbar von einer Figur in die nächste verwandeln. Dadurch entziehen sie dem Theatererlebnis jegliche realistische Substanz und symbolisieren die Durchschaubarkeit und Austauschbarkeit des Handelns ihrer Figuren.

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