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Gunter Gabriel
In Bünde/Ostwestfalen ist das Leben kein Zuckerschlecken. Da wird er als Günther Caspelherr geboren, und das Geld ist knapp. Er macht zwar eine Schlosserlehre, doch die Gedanken sind woanders. Stets nimmt er seine Gitarre mit in die Fabrikhalle, um in den Pausen zu üben. All die Lieder, die er im Radio hört. „Tom Dooley”, “Tutti Frutti”, “I Walk The Line”, schneller Rock’n’Roll und erdige Country-Music. Elvis bringt ihn zur Musik, Johnny Cash zeigt ihm den Weg. Nach dem Maschinenbau-Studium ist Schicht im Schacht, er will ins Musikgeschäft, nichts anderes. Bei Hansa Records erhält der junge Gabriel als Songschreiber eine Chance. Und die nutzt er. „Ich werd’ gesucht in Bremerhaven“ ist sein erster großer Erfolg, die deutsche Version von „Wanted Man“, im Original von Johnny Cash. Hits wie vom Fließband. „Komm unter meine Decke“, „Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld", „Ohne Moos nix los“, „30 Tonner Diesel“, alle von ihm getextet und gesungen. Auch als Komponist und Produzent für andere Künstler fährt er Erfolge ein: etwa „Ich trink auf Dein Wohl, Marie“ (Frank Zander), „Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst“ (Juliane Werding), Hits für Peter Alexander, Karl Dall, Tom Astor oder die Fußballhymne „Wer wird deutscher Meister? Ha-Ha-HaEsVau!“. Die internationalen Country-Größen entdecken ihn. Duette mit Boxcar Willie, Lotto King Karl und Tammy Wynette, Tourneen mit Don Gibson und Conway Twitty.Das Geld sprudelt, Erfolgsdruck, falsche Freunde. Gläubiger, Geldeintreiber, Finanzamt.Mehrere kaputte Ehen, irgendwann ist die Kasse leer. Griff zur Flasche, Absturz, Leben auf der Autobahn, im Wohnwagen. „Von der Bundesliga in die Kreisklasse“. Geächtet.Erst in Hamburg, 1995, lösen sich die Probleme. Er verliebt sich in sein rotes Hausboot„Magdeburg“ und verdrückt sich in den Freihafen, und später in den HamburgerBinnenhafen, wo noch die letzte private Werft steht. Hier entsteht auch „Gunterwegs“,astreiner Countryrock. Xavier Naidoo schreibt ihm den Titel „Seine Straßen“.Die Industrieromantik inspiriert ihn. Hier findet er endlich die Ruhe, eine Herzensangelgenheit auszubrüten, die er schon lange mit sich herumträgt: Die besten Lieder seines großen Seelenverwandten ins Deutsche zu übertragen. Im berühmten Cash-Studio „The Cabin“ in Hendersonville, 30 Meilen vor den Toren Nashvilles, entsteht „Gabriel singt Cash“ mit tatkräftiger Unterstützung vom Cash-Sohn John, der die Aufnahmen arrangiert und Cash-Tochter Laura, die Violine spielt. Er gibt wieder Konzerte, mit seinen „Nashville Three“. Glaubwürdig.Farin, Bela und Rod bitten den Countryhelden ins Studio. Seine whiskygegerbte Stimme gibt einer „Ärzte“-Produktion den letzten Schliff. Überhaupt, die jungen Wilden! „Liebe Autos Abenteuer“, eine ganz spezielle Hommage – junge Punkbands spielen Gabriel-Songs, die dadurch erst ihre rebellische Aussage zeigen. Geachtet.Die American Country Music Federation nominiert „Gabriel singt Cash“ zum „Album desJahres“, allein 6 Nominierungen für Gunter Gabriel bei den „Country Circle Awards“ 2003. „Gunterwegs“ wird bei der Verleihung des „11. Country Music Award“ zum „Besten Album 2003“ gekürt. Geehrt. Anfang 2007 proklamiert Gunter in einer Talkshow die so genannte Wohnzimmertour (WZT)und spielte seitdem bei mehr als 500 privaten Veranstaltungen. Näher ran an die Fans geht es nicht. 2009 erscheint die CD „Sohn aus dem Volk“ und wird zum Comeback des Jahres. Gunter veröffentlicht parallel seine Biografie (Buch und Hörbuch) „Wer einmal tief im Keller saß“. Aufgrund der WZT-Tour und des Comebacks wird ein Drehbuchautor und Regisseur auf Gunter aufmerksam. Die Arbeiten an einem Kinofilm über die Wohnzimmertour sollen 2011 fertig gestellt werden.Das Leben, und speziell das des Gabriel, ist ein Fluß. Nach 10 Jahren an der HamburgerJöhnkwerft wirft der ewige Wanderer seinen Anker in die Spree!?! – Bei ihm weiß man nie. Unumstritten bleibt, daß Gunter Gabriel einer der besten und engagiertesten Singer/Songwriter in diesem Land ist. Eine lebende lebendige Country-Legende. Unkaputtbar.

Aufführungen:
HELLO, I`M JOHNNY CASH
(c) Sven Sindt

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