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Gastspiel
ELLING

von Axel Hellstenius / Petter Naess / Ingvar Ambjörnsen

Deutsch von Gabriele Haefs

Das Leben kann sehr leicht wie ein Hürdenlauf wirken, wenn es Mut erfordert, ans Telefon zu gehen oder ein Restaurant zu durchqueren. Für Elling und seinen Freund Kjell Bjarne sind die alltäglichen Probleme, mit denen sie nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik konfrontiert werden, eine echte Herausforderung. Elling, der sich selbst als Muttersöhnchen bezeichnet, neigt zu Übertreibungen jeder Art, ist besserwisserisch, eigenwillig und dabei sehr, sehr ängstlich. Selbst ein klingendes Telefon empfindet er schon als Bedrohung, gegen die er sich zur Wehr setzen muss. Sein bäriger "Blutsbruder" Kjell Bjarne verfolgt mit stoischer Hartnäckigkeit die zwei großen Interessen seines Lebens: Essen und (endlich!) Sex mit einer Frau haben. In schwierigen Situationen - und davon gibt es täglich mehr als genug - neigt er dazu, seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Sonst ist er sehr gutmütig und ein echter Kumpel.

Um die beiden neurotischen Helden wieder in die "normale" Gesellschaft einzugliedern, stellt ihnen der norwegische Staat eine Wohnung und den Sozialarbeiter Frank, der ihnen mühsam ein paar Regeln beibringt: telefonieren, einkaufen, ausgehen. Nach anfänglichen Katastrophen, astronomisch hohen Rechnungen für Telefonsexanrufe (schließlich muss man das Gelernte anwenden) und einigen emotionalen Krisen entwickeln die beiden aber tatsächlich Spaß am Leben "draußen". Als Kjell Bjarne endlich eine Frau kennen lernt - sie fällt ihm am Weihnachtsabend sturzbetrunken und hochschwanger vor die Füße - entdeckt Elling seine Liebe zur Poesie und verfasst eigene Gedichte, die er -anonym natürlich - in Supermärkte einschmuggelt und in Sauerkrautverpackungen versteckt.

Elling ruft durchaus Assoziationen an "Forest Gump", "Rain Man" und "Einer flog über das Kuckucksnest" wach, doch das Stück vermeidet konsequent alle auftretenden Pfade der Nervenheil-Dramaturgien. Die Art, in der Elling über die Wechselfälle des Lebens und den Zustand unserer modernen Welt philosophiert, ist von unbestechlichem Charme, hat Intelligenz, Witz und zeugt von einem scharfsichtigen Durchblick, den man diesem unheroischen Helden zunächst gar nicht zutraut. Über die skurrilen Probleme und Ängste, mit denen sich Elling & Partner herumschlagen, können wir herzhaft lachen, doch die Themen, die das Stück aufgreift, berühren ganz zentrale philosophische und emotionale Fragen unserer Existenz. Wie oft sind die "echten" Katastrophen die inneren Krisen - und nicht die äußeren Umstände? Neben vielen anderen Einsichten vermittelt Elling einen wichtigen Gedanken: Die größte Herausforderung liegt im Wagnis, sich der Welt zu stellen.

Ein Gastspiel der Hamburger Kammerspiele




ELLING im Spiegel der Presse
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mit
Boris Aljinović, Peter Theiss, Hans-Jörg Frey, Imke Trommler
Regie Michael Bogdanov
Bühne und Kostüme Sean Crowley

Spieldauer 2 Stunden und 15 Min. inkl. Pause

Kritik Bislang veröffentlichten wir an dieser Stelle Kritiken über die Aufführung. Leider wird dieser Service von Seiten der Zeitungsverlage nicht mehr stillschweigend geduldet. Daher können wir Ihnen erst nach eindeutiger Klärung, in welcher Weise die Vergütung bei der Wiedergabe von Rezensionen zu erfolgen hat, diese Information wieder anbieten.

GÄSTEBUCH
Foto: Oliver Fantitsch

Foto: Oliver Fantitsch

Foto: Oliver Fantitsch

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